Samstag, 25. Juli 2026

Admonitio ad me ipsum

Denkst dir halt immer,
kannst ja noch warten,
hast ja noch Zeit.
Einen Scheiß hast.
Morgen tot sein kannst du.
Was du nicht sofort
endlich angehst,
nicht hier und jetzt
wirklich tust und machst,
wirst du womöglich
nimmermehr ―

Freitag, 24. Juli 2026

Wildwuchs

Der Brombeerstrauch erzählt
schlimme Geschichten. Doch damit
will er nur Eindruck schinden.
Und was eigentlich zählt,
ist seiner Früchte Süße.

Südliche Landschaft

Von den Pinien lerne
und vom ewigen Himmel
die alleinige Wahrheit:
Alles Leid muss einmal enden
und das Schöne verweist
ohne Zweifel schon jetzt darauf,
wohin die Reise noch geht.

Der Gartenbau zu Babel

Schon der Johannisbeerstrauch, heißt es,
spricht eine andere Sprache.
Wie soll da nebeneinander gedeihn,
was nicht anders zusammengehört
als durch den Einsatz der Erntehelfer?
Und gerade für die gilt ja: Jede
Verständigung hat zu unterbleiben.
So will es die Gutsherrenart.
Den Rest flüstern die Grashalme.

Kunstgriff

Man muss nicht auf alles
einen Reim haben; manchmal
genügt schon ein Seufzer.

Sommerliche Alternative

Bei den Berberitzen sitzen
und die ganze Welt verschwitzen
wäre angesichts dieser Lage
die angenehmere Vorstellung.

Alte Gegend

Erinnre dich nicht,
lass die Pappeln schweigen
und die Zypressen,
dass sie nichts verraten,
was gut hätte sein können
oder auch wirklich war,
eine harte Schönheit, 
einen vergangenen Traum.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Lehrgang

Dass ein Lächeln so viel mehr
als ein Lächeln sein könnte,
ist ein schöner Traum,
der, wohldosiert,
niemandem schadet.

Dass ein freundliches Wort
die Möglichkeit andeutete,
dass das Paradies auf Erden
erreichbar wäre, ist ein
gefährliches Missverständnis.
 
Dass eine zufällige Berührung
überhaupt nichts zu sagen hat,
muss man sich einreden,
um nicht zu Grunde zu gehn
an der schockierenden Einsamkeit.

Humanität

Komm her, ich will dir
den Kopf abschlagen,
damit es dir besser geht 
und du nicht mehr denken musst,
was verboten ist.

Vorübergehend

Weißt du denn überhaupt,
wie lieb ich dich haben könnte?
Mindestens so sehr wie irgendwer.
Vielleicht sogar sehr viel mehr.
Aber wie könntest du das wissen?
Ich werde es dir nie sagen,
du wirst es mich nie fragen,
wir sind einander fremd,
ich sehe dich zum ersten Mal,
du nimmst mich kaum wahr,
wir begegnen einander nie wieder.
Und doch weiß ich ziemlich genau,
dass du der für mich sein könntest,
den ich über alles lieb habe.

Mittwoch, 22. Juli 2026

Moralattacke

Macht's noch Spaß? Ist das Leben
immer noch die reinste Freude,
von keinem Gedanken angekränkelt
und nicht vom Gewissen vergällt?
Was da passiert, während du versuchst,
möglichst viel herauszuholen
und möglichst nichts mitzubekommen,
willst du gar nicht wissen.
Es kostet dich ja auch nur 
deine Menschlichkeit. Was soll's.

Dienstag, 21. Juli 2026

Endgericht

Sie werden ihre Chancen gehabt haben,
Gutes zu tun und Böses zu lassen.
Sie werden sich ihr eigenes Urteil
gesprochen haben mit ihren Taten 
und Unterlassungen. Mehr muss dann
eigentlich gar nicht mehr gesagt werden.

Totenrede

Sie gehen sinnlos zu Grunde,
und kein Mensch, keine höhere Macht
lässt sich darauf ein, ihnen zu helfen,
im Gegenteil, Menschen stoßen Menschen
in Abgründe der Grausamkeit,
lassen ganz beiläufig zu,
dass gelitten und verreckt wird.
Wenige erheben Einspruch,
versuchen zu lindern, verzweifeln.
Doch die meisten sind derweil damit
ausgiebig beschäftigt, mitzutun
bei dem, was nicht getan werden darf,
und sich zur dringend nötigen
Erholung reichlich abzulenken
Gott kann nichts machen. Die Menschen
wollen es so, sie wollen einander
entrechten, quälen, vernichten.
Sie zerstören die Erde und verachten
jeden Himmel außer dem erfundenen.
Gott lässt zu, dass die Hölle
von Menschen für Menschen
schon auf Erden errichtet wird,
dass alles keinen Sinn hat, 
dass das Gute so schwach ist
und mitgerissen wird in den Wirbel
des Bösen. Wann kommt das Ende?
Nur das Ende kann noch trösten,
nur die Vergänglichkeit der Gemeinheit,
die jetzt herrscht, aber gewiss nicht
in alle Ewigkeit.

Alternativlosigkeit

Alle wissen immer
von zuverlässiger Seite,
dass sie im Recht sind.
Zudem könnten sie gar nicht
anders handeln, als sie handeln,
da seien Sachzwänge,
größere Zusammenhänge,
höhere Mächte am Werk.
Was sie täten, müssten sie tun,
und sie täten es gern,
dem Gemeinwohl verpflichtet
und völlig reinen Gewissens. 

Sie lügen. Umso unverschämter,
je mehr ihnen klar sein müsste,
dass jeder weiß, dass sie lügen.
Sie wissen es auch und leugnen es,
sie belügen sich selbst und
können zum Schluss Wahrheit
und Lüge nicht mehr unterscheiden,
wollen das auch gar nicht,
denn was nützte ihnen das?
Sie werden so oder so das tun,
was sie einfach tun wollen.
Zum Nachteil für alle.

Anachoretisches

Aber ich gehörte nicht dazu.
Für mich war das noch nie etwas.
Im Gegenteil, es stieß mich ab.
Also stand ich abseits und war still.
Irgendwann begriff ich, was ich
zuvor nur nur geahnt hatte,
dass ich alles anders wollte,
das aber von den anderen
nie würde bekommen können.
Also musste ich alleine bleiben.
Mich davon stehlen. Ausbleiben.
Man hörte nichts mehr von mir. Doch 
statt zu schweigen, tat ich ich den Mund auf,
in meiner Einsamkeit sang ich,
stimmte zwar in keinen Chor ein,
es wäre denn ein himmlischer,
aber ich sang, zum ersten Mal sang ich,
sang nur für mich und den,
der immer unweigerlich zuhört,
meine seltsamen Gesänge.

Sonntag, 19. Juli 2026

Brotlose Kunst

Er gab sich bescheiden und war es auch,
er musste es sein, denn was er hatte,
war auch schon alles, was es gab,
mehr war einfach nicht zu bekommen,
nicht für Geld und gute Worte.
Also sparte er sich jeden Vers
vom Munde ab, verzichte auf Reime 
und hielt sich beim Rhythmus zurück.
Der einzige Luxus, den er sich leistete,
worauf er nie im Leben verzichtet hätte,
waren Gedanken. Daraus machte er,
notgedrungen, seine Gedichte.

Grazioso

Und ging untadelig daraus hervor,
als wäre nichts gewesen, nur eben
eine Anfechtung, rasch ausgefochten
mit scharfer Klinge und wie nebenher,
aber in vollem Ernst und keineswegs 
leichtfertig. Welche Anmut des Herzens!

Mittwoch, 15. Juli 2026

Vox populi

Neuerdings weiß ich aus sicher Quelle,
dass es nicht gut um mich steht. Ich bin 
ein Dummkopf, ein Wirrkopf,
einer, dem man ins Hirn geschissen hat,
ein Troll zumal, ein bezahlter Agent,
ein armer Irrer, ein gefährlicher Spinner,
ein Ignorant und ein Besserwisser,
jemand, der das Maul halten soll,
ein unerträglicher Narr,
nicht ernst zu nehmen, eine Witzfigur,
aber auch ein Brandstifter,
ein Brunnenvergifter, ein Schwätzer,
ein Hetzer, ein Hasser, ein Gutmensch,
ein Terroristenunterstützer,
ein Kommunist, ein Faschist,
so ein linksgrüner Scheißliberaler,
eine Drecksau, ein armes Schwein,
ein Schweinchen Schlau, einer,
der sich wohl für was Besseres hält,
ein Störenfried, der noch sehen wird,
was er davon hat, so zu reden,
einfach das Allerletzte, was soll man
zu so einem noch sagen?
Der ist nichts, der kann nichts,
so einer muss weg, zur Not
müsste man nachhelfen. Ein bisschen.

Dienstag, 14. Juli 2026

Rosenkunde

Meine Rosen sind bitter,
sie sind fahrig und abgewohnt,
sind schon ranzig und taugen
zu keinem Heldentod mehr.
Abbruchreif ragen sie stur
in falsche Leben hinein.
Wer weiß, was das heißen soll. 
Mich dürstet jedenfalls längst
nach reglosem Daliegen,
doch die Rosen versperren
bis zuletzt diesen Ausweg.

Montag, 13. Juli 2026

Ad nauseam

Die Weltverschlimmerer
haben wie immer das Sagen,
und die Scheiße, die sie von sich geben,
schlucken begierig die Verhetzten
und Verdummten, kotzen sie aus
und fressen sie wieder. Und so fort.

Sonntag, 12. Juli 2026

Urlaub

Lästige Wirklichkeit!
Immer will die was.
Alles könnte so schön sein,
wenn man nichts müsste.

Freitag, 10. Juli 2026

Ich sag mal so

Ich bin nicht so recht überzeugt
von mir und dem, was ich schreibe.
Ich habe erhebliche Einwände
und ein großes Unbehagen.
Aber was soll ich machen?
Ich kann halt mein Maul nicht halten
und schreibe auf, was ich denke.
Wenn euch das unangenehm ist:
Willkommen in meiner Welt.

Mal so gefragt

Was wollt ihr denn,
wenn nicht das Beste
für euch und die Euren
und sogar völlig Fremde?
Warum dann aber
nehmt ihr alles das hin,
was zum Schlechten drängt
und sogar zum Schlechtesten?
Warum haltet ihr still
und macht sogar mit?
Was habt ihr davon
Und warum genügt euch das?
Ich wollte, ihr wolltet
für euch und alle Besseres 
und vielleicht sogar das Beste.
Dann wäre es möglich.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Donnerstag

Schon wieder Donnerstag.
Als ob das Leben 
aus nichts anderm bestände,
als zu vergehn.

Mittwoch, 8. Juli 2026

In dieser Zeit

Das Schweigen impliziert,
was über Bäume noch gesagt werden kann,
die gefällt wurden oder verbrannt wurden, 
als wären es Menschen gewesen.

Zeitgenossen

Während sie sterben müssen,
wollt ihr euren Spaß haben,
während sie an Hunger krepieren
und von Bomben zerfetzt werden,
habt ihr ein Recht auf Erholung
vom Mitmachen und Zuschaun,
braucht ihr fürchterlich dringend
Unterhaltung zur Zerstreuung.

Freitag, 26. Juni 2026

Du tust mir gut.
Das habe ich nicht verdient.
Aber bitter nötig.

Wundersame Rettung

Ich kann mich nicht um alles kümmern
und habe das auch gar nicht vor.
Stattdessen beschränke ich mich,
teils aus Neigung, teils aus Unvermögen,
es anders zu halten,
im Wesentlichen
auf das Unwahrscheinliche,
so erwartbar das auch sein mag 
bei einen, der so schrecklich gerne
an Unverhofftes glaubt.

An den lieben Gott

Du bist alles, was ich brauche,
du bist alles, was ich will.
Manchmal vergesse ich das.
Aber es fällt mir wieder ein,
wenn ich etwas von dir möchte.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Guter Rat

Lass keine Peinlichkeit aus,
die mehr über dich verrät,
also du wissen wolltest.
Die Welt hat ein Recht darauf,
über dich zu lachen.
Aber du hast das auch.

Recht und Ordnung

Zu Recht verdächtigt man mich,
einer von denen zu sein,
die sich nicht abfinden können
mit dem Bestehenden,
sondern die Verhältnisse
der Menschen zueinander
ändern wollen. Weltverbesserer
nenn man sie verächtlich.
Freiheit, Gerechtigkeit, Schönheit,
ein schonender Umgang
auch mit dem Nichtmenschlichen.
das sind nicht etwa Träume,
sondern knallharte Forderungen,
die nicht verhandelbar sind.
Hirngespinsten hängen hingegen
die an, die immer noch glauben,
Gier, Betrug und Gewalt
könnten Gutes erwirtschaften.
Das wird nie der Fall sein.
Böses nützt nicht einmal den Bösen.
Auch sie gehen daran zu Grunde.
Leider oft erst viel zu spät.
Derweil hilft gegen die Hölle,
auf die alles zusteuern soll,
nur die beherzte Tat 
und mutig das Blaue vom Himmel
zu versprechen. Das mache ich,
das muss ich zugeben.
Insofern stimmt der Verdacht:
Im Sinne der herrschenden Ordnung
bin ich durch und durch schuldig.
Und plädiere, wenn man mich anklagt,
gerade darum auf Freispruch.
Demgegenüber ist ein Lächeln
schon ein Akt der Rebellion 
und Lachen wäre Hochverrat.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Friedensplan

Sodass mit vereinten Kräften
die Gewalt ein Ende nähme,
das noch nicht absehbar ist,
man wäre den hellsichtig genug 
für das Gute im Menschen.

Programmheft

Wenn ich könnte und man mich ließe,
beendete ich alle Kriege,
ich schaffte den Hunger ab in der Welt,
alle Unterdrückung und Ausbeutung.
Lügen und Stehlen und Quälen
wären nicht nicht nur verboten. ich lehrte
die Menschen, einander die Wahrheit
und andere Glücksgüter zu schenken.
Alle wären im Grunde zufrieden
und allenfalls noch begierig,
einander noch mehr zu bereichern
mit geistigen Genüssen. Kurzum, 
es könnte alles so schön sein,
wenn man mich ließe und ich könnte,
wie ich wollte. Irgendwelche Einwände?

Montag, 22. Juni 2026

Solitude

Ich wollte nie einer von euch sein,
wollte nicht mitmachen
bei euren Spielen und Geschäften,
wollte mich nicht anpassen
und mich nicht unterwerfen.
Was Wunder also,
dass ich nicht dazugehöre,
dass ich nicht mitspiele,
nicht anerkannt werde
und keiner von euch bin.
Ich wollte es so haben 
und das habe ich nun davon.

Kein Mensch mehr

Auch heute bin ich kein Roboter.
Aber es fällt mir jeden Tag schwerer,
der Maschine, die den Nachweis verlangt,
dass ich ein Mensch bin, einen solchen
zweifelsfrei zu erbringen. Was wird sein,
wenn meine schlechten Augen mich hindern,
Ampeln, Fahrräder, Zebrastreifen
in ausreichendem Maße anzuklicken?
Wird mich dann die befugte Maschine,
besorgt um das Wohl meiner Mitmenschen,
aus deren Kreis ausschließen? Bei wem 
könnte ich darüber Klage führen?
Kein Mensch wird mir glauben. Und das zurecht.

Samstag, 20. Juni 2026

Marktgeschrei

Ein Mauerblümchen bin ich
in umkämpftem Urwald,
wo Wuchern und Welken,
Fressen und Verdautwerden,
Wiederkäun und Ausscheiden
das Tagesgeschäft sind.
Wie also hier überleben?
Das muss ich ja gar nicht.
Ich bleibe an stillem Plätzchen
und lehne mich an Ruinen.
Ich mische mich ein,
ohne dass jemand es merkt.
Im Verborgnen zu blühn,
ist eine meiner leichtesten, 
allerleichtesten Übungen.
Der Rest ist Untergehn.

Samstag, 13. Juni 2026

Mittwoch, 10. Juni 2026

Phantomschmerz

Immer noch du, wer denn sonst.
Immer noch diese Trauer,
um nicht zu sagen: der Schmerz,
dich verloren zu haben,
den ich nie hatte.
Immer noch das Bedauern,
nicht der gewesen zu sein,
der dich lieben durfte.
Und noch immer die Hoffnung,
diese völlig sinnlose Hoffnung,
es könnte doch noch werden,
wovon ich sehr wohl weiß,
dass es nicht sein kann.

Liebhaberei

Irgendwer wird dich schon lieben,
da bin ich mir ganz sicher,
und wenn ich es nicht sein darf,
weil du das nicht willst,
wird es eben ein anderer sein.
Mir ist es recht, so oder so,
denn auf mich kommt es nicht an.

Montag, 8. Juni 2026

Glimpfliche Rauferei

Und die Nase war ungebrochen,
als wären die Fäuste nicht geflogen,
das kann aber doch gar nicht sein,
es kam doch zu Handgreiflichkeiten,
da hätte schnell sonstwas passieren können,
zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert
als ein wackelnder Zahn. So sind sie
mit blauen Augen davon gekommen.

Sonntag, 7. Juni 2026

Heidenspaß

Sie hätten, da bin ich mir sicher,
weit Wichtigeres zu tun,
als gerade mich zu verfolgen,
aber sie nehmen sich die Zeit dafür,
denn sie tun es nicht zum Vergnügen,
sondern aus Pflichtgefühl,
auch wenn sie dabei, wie es scheint,
einen Heidenspaß haben.

Samstag, 6. Juni 2026

Wie grässlich

Wahrscheinlich ahne ich gar nicht,
wie grässlich ich wirklich bin,
denn aus lauter Zartgefühl
deutet man es mir nur an.
 
Selbsterkenntnis ist schrecklich.
auch wenn sie’s gelassen verschmäht,
mich zu vernichten. Fürs Erste
genügt es ihr, mich völlig
zu verunsichern. Erst später.
werde ich das ganze Ausmaß
der Misere begreifen.
 
Was für ein Ungeheuer,
zumindest ein ungeheurer
Versager muss ich wohl sein,
wenn mir nie aufgefallen ist,
wie grässlich ich eigentlich bin.

Mittwoch, 3. Juni 2026

Vertröstung

Das Blaue vom Himmel
wurde schon andern versprochen
und wird auch nicht gebrochen.
Das klingt zunächst hart,
ist aber nur gerecht.
Zu schön, um wahr zu sein, 
ist es sowieso.

Montag, 1. Juni 2026

Behausung

Meine Meisterwerke und ich,
wir wohnen im Elfenbeinturm.
Allerdings nur im Keller,
wo es eng, finster und feucht ist.
Die Spinnen mögen uns nicht.
Dem Schimmel sind wir egal.
Keiner besucht uns und wir
bekommen auch keine Post.
Wahrscheinlich haben alle 
eine ganz falsche Anschrift von uns.

Samstag, 23. Mai 2026

Sand drüber

Es stimmt schon, ihr hättet mir,
nämlich eigentlich noch
zu meinen Lebzeiten,
eine Pyramide errichten müssen.
Aber ihr habt es ja vorgezogen,
euch dem zu entziehen.
So werdet ihr später,
viele Jahrhunderte später,
völlig vergessen sein.

Abschiedsvorstellung

Im Kugelhagel vielleicht,
oder bei einer Explosion,
keinesfalls im Krankenbett,
umstanden von Wartenden.
Plötzlich und restlos, aber
durchaus vorhersehbar
bei diesem Lebenswandel.
Und dann kein Gewese,
vielleicht nicht einmal ein Grab,
vielmehr die Asche verstreut 
in alle verfügbaren Winde.

Ziemlich unpassend

Mir selbst ziemlich fremd,
hoffe ich inständig,
von niemandem verwechselt
oder allzu gut 
erkannt zu werden.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Dre sinnlose Lieder

    1
Nur in deiner Nähe
könnte ich es ertragen,
fern von dir zu sein.

    2
Ohne dich
halte ich es nicht aus,
ohne dich zu sein.
 
 
    3
Mit dir geht es nicht.
Ohne dich geht es nicht.
Was bleibt mir übrig,
als es nicht gehen zu lassen.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Striktes Programm

Was irgendwelche Leute sagen,
ist mir sowas von wurscht
und darf keinerlei Einfluss haben
auf mein Tun und Lassen.
Im Gegenteil: Was ich sage,
danach sollten alle 
sich richten und auf diese Weise
die Welt verbessern. Punkt.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Puer aeternus

Ich bin ein Kind, was sonst.
Wenn ich es jemals war,
dann bin ich es geblieben.
Als Kind ein Greis, als Greis 
doch immer noch ein Kind.

Dienstag, 5. Mai 2026

Probleme der Lyrik

Meine Gedichte überzeugen mich nicht.
Mich am allerwenigsten. Aber das
ist nicht mein Problem. Mein Problem ist,
dass ich überhaupt keine Ahnung habe,
wovon sie mich überzeugen sollen.

Entschlüsselt

Sie zerlegen mich in Daten
und errechnen die Muster,
die mich ausmachen. Für sie
ist alles ist ein offenes Buch:
Was ich tue, begehre, weiß.
Sie knacken meine Codes
und entziffern meine Geheimnisse.
Was bleibt von mir,
wenn alles durchschaut ist? 
Mit leichter Hand steuern sie 
etwas, das einmal ich war.
Wer bin ich, es ihnen zu wehren?

Daheim

Ich will nicht, dass es ihnen gelingt,
bis zu mir vorzudringen. Draußen
vor der Tür sollen sie machen,
was sie wollen, aber ich will
einen Schutzwall, eine Mauer,
eine unüberwindliche Grenze
zwischen ihrer Zone
und meiner Sphäre,
zwischen Tod und Leben.
Sie sollen nicht befingern
und beschmutzen dürfen,
was mir heilig ist, meine Schätze,
mit ihren Narrenhänden.
Ihre dummen Blicke
und ihre dummen Bemerkungen
sollen anderswo stattfinden.
Hier haben sie nichts zu suchen
und zu viel zu finden. Alles 
würden sie gegen mich verwenden.
Das ist die Wahrheit. Die geht sie nichts an.

Montag, 4. Mai 2026

Unterbodenschutz

Fast möchte man sagen, hier gibt’s nichts
zu sehn, zu sagen, zu tun, nur 
weiterzugehn, bis die Zebras kommen
und ein paar Glanzlichter aufstecken,
wem zum Kuckuck auch immer.
Warst du schon dort? Willst du noch hin?
Kaum dass man nämlich den Schnee
sehn kann vor lauter Flocken.
Das sind so Wörter, außer natürlich
in anderen Sprachen. Sterne 
oder Steine, wer weiß das so genau?
Man müsste mal nach dem Rechten sehn
und vielleicht ein bisschen durchwischen.
Doch wer hat schon Zeit für derlei
Lappalien? Das Leben ist zu kurz
für Putzfimmel und Astronautik

Samstag, 2. Mai 2026

Augenblick

Betöre mich, Flüchtiger,
mit dem Vorübergang
deiner Schönheit als der Wahrheit, 
die mich endlich gefunden hat.

Donnerstag, 30. April 2026

Schöpferische Verheißung

Es lasse sich ein Leben führen
der restlosen Hingabe
und der erwiderten Gnade.
Von Geist zu Geist und Leib zu Leib
lasse sich das Gute schaffen 
und endlich bewahren,
eingehend in die Ewigkeit.

Mittwoch, 22. April 2026

Gestellt

Fremde Leute stellen fremde Fragen.
Meine Antworten sind aber dieselben
für jeden. Ich habe keine andern.
Dass sie so vielen so fremd sind, 
ist eine ganz andere Sache.

Montag, 20. April 2026

Vita brevis III

Besser auf Abstand bleiben
zum eigenen Leben und
sich nicht einmischen 
in das, was einen angeht.

Sonntag, 19. April 2026

Vita brevis II

Die Gelegenheit hat mich verpasst,
und kommt auf keinen Fall wieder.
Das war’s dann also. Meine Hoffnungen 
können mich irgendwo verscharren.

Donnerstag, 16. April 2026

Vita brevis I

Aus sicherer Entfernung betrachtet
ist das Leben gleich weniger unschön.
Man könnte fast meinen, es lohne 
den Aufwand. Aber das täuscht.

Was auch immer das heißt

Da ist etwas, was man nicht weiß,
aber sagen kann, wenn man es kann,
aber nur mit einem Gedicht.

Kulisse

Vor meinem Fenster wird
aus kahlen Stämmen, Ästen, Zweigen
wieder eine grüne Wand.
Man nennt es Frühling. Ich sage: 
Umbau zum nächsten Akt.

Montag, 13. April 2026

Unter Geiern

Lieber ein Paradiesvogel
auf schütterem Dach
als eine gut gebratene Gans
in den fettigen Fingern
von Friedhofsbetreibern.
Die Welt gehört den Gierigen.
den Rücksichtslosen, den Blendern,
bis man sie ihnen wegnimmt.
Schluss mit dem Plündern,
her mit Anstand und Weisheit!
Es ist Zeit für ein Ende 
der Zeiten. Lasst uns leben!

Freiwild

Niemandem untertan,
von allen gejagt,
zu Haus und Hof
gar nicht erst zugelassen,
von Versteck zu Versteck
mutwillig hastend,
immer im Recht und 
jeder überlebte Tag
wieder ein kleiner Sieg.

Donnerstag, 9. April 2026

Und übrigens

Es ist selbstverständlich zu spät.
Es war immer schon zu spät.
Aber früher ging’s nicht.
Und heute geht es erst recht nicht.
 
So gesehn war es vergebens,
es überhaupt zu versuchen.
Doch das musste ich wohl.
Wozu denn sonst leben?

Freitag, 3. April 2026

Orphisch

Es gäbe die Schönheit
und man könnte ihr singen,
während in Blut waten 
die Menschenfresser.
So ist das Leben.

Donnerstag, 2. April 2026

Opfergabe

Im Honig ersäuft
die Arbeitsbiene,
und ihre Todesangst
würzt ihrer Königin 
deren Schlummertrunk.
Du bist meine Heimat,
nichts und niemand sonst.
Wo du bist, gehöre ich hin, 
und wo wärst du nicht.

Sonntag, 29. März 2026

Epische Skizze

Sie sprachen und sprachen
die Nachrichten und Nachrichten,
als sei heute ein Heute gewesen
und gäbe es morgen ein Morgen.
Die Verrohung war grenzenlos.
Beim Lügen musste keiner mehr
sich Mühe geben. Unverschämt
konnte man sich erwischen lassen
und mit allem davonkommen.
Die anderen ließ man verrecken.
Auf die Zukunft schiss man,
malte sie bunt an und ließ
die Leute sie fressen, gegen Bezahlung.
Alle wollten dabei sein. Viele
versteckten sich in Süchten,
Ticks und Marotten. Albtraumhaft
war die Normalität ganz normal.
Derweil ging die Welt unter.
Das sagten sie schon und zeigten
die vielen Bilder dazu.
Selbst die Gierigen gähnten 
in tödlicher Langeweile.
So weit die Nachrichten.
Und nun zum Wetter.

Mittwoch, 25. März 2026

Bonum et pulchrum convertuntur

Um noch einmal zurückzukommen
auf Zypressen und bröckelnde Mauern:
Darüber schriebe ich sehr gerne,
auch sozusagen Verse, aber
irgendwie lenkt mich das Leben ab
vom Heimweh nach gestern. Ich irre hin
zum Jetzt und Gleich und Hier und Dort,
wo meine Mitmenschen Opfer sind,
Täter und Zuschauer, aber ich 
ein nutzloser Warner und Ankläger.
Mehr Kunst kann ich unter Umständen
dann eben nicht.

Lehrreiche Geschichte

Es war einmal ein Scheusal,
das trug meinen Namen
und wohnte unter meiner Anschrift.
Es schrieb, was ich schrieb,
weil es dachte, was ich dachte.
Das wollten die Leute nicht hören
und erschlugen das Scheusal.
Wäre ich bloß beizeiten verstummt
oder wenigstens umgezogen.

Verlorener Restposten

Die Sehnsucht nach Güte verlässt mich nie,
nach Freundlichkeit, Brüderlichkeit,
nach menschlicher Wärme.
Der Kälte und Gleichgültigkeit,
der Lust an der Bösartigkeit
bringe ich Abscheu entgegen und Wut.
So bin ich und so will ich bleiben
in dieser Welt, die es darauf anlegt,
sich und mich und alles restlos 
zu entmenschlichen.

Wie es ist

Man möchte verzweifeln,
so wie die Dinge liegen,
aber man verbietet es sich,
um dem Dummen und Bösen
nicht zu allem Überdruss auch noch
die Macht zuzugestehn,
einen kleinzukriegen.
Dass alles beschissen ist.
ist noch lange kein Grund,
nicht Haltung zu bewahren
und über den Dingen zu stehn,
die einen fertig machen wollen.
Katastrophen kommen und gehn,
aber Demut und Anstand 
bleiben für immer bestehn.
Gestehe Kunst, dass es so ist.

Donnerstag, 19. März 2026

Verwässerte Kante

Sagen wir mal so: Die Brandung
war auch schon mal gefährlicher
und kostetet irgendwen mehr.
Da lachen ja die Möwen
und der Sand kugelt sich.
Kein Krabbenbrötchen der Welt
macht das wieder wett. Schiffstaufen
verführen zu falschen Vergleichen.
Nicht alles, worauf ein Preisschild klebt,
ist auch wirklich was wert. Weiter so.
Strandhafers heimliche Liebe
verwickelt die Abfallkörbe 
in Widersprüche. Muss das sein?

Mittwoch, 18. März 2026

Selbsteinschätzung

So schlecht ist das gar nicht,
was ich mache, nur nicht
gut genug, um die Welt 
zu verbessern. Schade.

Ästhetische Revolution

Nimm die Welt nicht hin,
sondern wahr, wie sie ist,
und bedenke dabei, 
wie sie sein könnte.

Weise Voraussicht

Nun, wie gesagt, wer bin ich schon,
um die Welt verändern zu wollen
nur mit Wörtern, die andre
beherzigen sollen. Welche
Anmaßung, welch irrsinniger 
Glaube an die Macht der Vernunft.
Daran muss ich ja scheitern.

Dienstag, 17. März 2026

Weltsicht

Mir gehört die ganze Welt.
Aber ich nutze nur einen Teil davon.
Und gar nicht einmal den besten.

Eingeständnisse

Ich habe den Reichen und Mächtigen
nichts entgegenzusetzen als die Wahrheit,
meine Wahrheit, die sie zu wenig bedroht,
sonst wäre ich ganz bestimmt schon längst
zum Schweigen gebracht worden.
 
Ich habe den Elenden dieser Welt
nichts vorzuschlagen als die Wahrheit,
meine Wahrheit, die sie leider nicht kennen,
sonst hätten sie doch ganz bestimmt
die Welt schon längst verbessert.

Vier Jahreszeiten V

Sommer: Was soll ich sagen?
Eine einzige Durststrecke,
die nicht aufhören will,
mich zu quälen. Die Hitze,
das drückende Licht,
die Lähmung des Denkens.
Dazu das sinnlose Fleisch,
das sich allenthalben darbietet
und entzogen bleibt.
Alles ist mühsam und dumm.
Nur an Regentagen atme ich durch 
und hoffe auf baldigen Herbst.

Vier Jahreszeiten IV

Sie nennen es Frühling.
Ich nenne es Belästigung
mit der Geilheit der Pflanzen,
die einem ihre Geschlechtsteile
über all unter die Nase reiben.
Was geht mich das an,
dass sie sich fortpflanzen müssen?
Warum muss ich leiden 
an Augenjucken und Niesen,
wenn sie sich einen runterholen,
sobald die Sonne scheint?

Vier Jahreszeiten III

Am Frühling liegt mir nichts.
Mir ist das alles zu brünstig,
all das Sprießen und Blühn,
diese Gier, sich zu vermehren,
diese halbgaren Temperaturen,
die weichliche Sonne.
Ich vermisse die Klarheit
des Winters, seine Kraft
und Kompromisslosigkeit. 
So ein Frühling ist doch bloß
ein kindischer Sommer.

Vier Jahreszeiten II

O köstlicher Herbst,
du mit deinem Verfall überall
und Tod, mit dem Duft
von Fäulnis und Verwesung.
Golden glühn jetzt die Wälder 
und es ist kühl, herrlich kühl,
was dem Denken gut tut.

Vier Jahreszeiten I

Was haben de Leute nur immer
gegen den Winter? Ist doch schön,
wenn endlich alles mal grau ist
oder sogar weiß. Wenn nur selten
grelles Licht ein blendet
und die Kälte gewisse
Zurschaustellungen unterbindet.
Was wäre behaglicher
als Heizung und gedämpftes Licht?
Ein Winter, ein richtiger Winter,
so mit Eis und Schnee und so,
ermöglicht ohne viel Aufwand
die Besinnung aufs Wesentliche.
Das ist es. Das haben die Leute 
gegen den Winter. Ich nicht.

Geburtstagsständchen

Habe ich schon gelebt
oder muss ich das noch
und wie lange?
 
Was heißt zu leben,
wenn überall der Tod
fröhliche Urständ feiert?
 
Was soll das überhaupt
für ein Leben sein,
in dem das Unrecht
und die Dummheit
weiterexistieren, 
obwohl man das nicht will?
 
Quicklebendig 
wäre wohl anders
als die Unwürdigkeit
des Alters und der Schrecken
der Sinnlosigkeit.
 
Wie gesagt: 
Geht das noch lange so?

Sonntag, 15. März 2026

Poetischer Moment

Aus einiger Entfernung
sehe ich zwei junge Männer
die Straße hinuntergehn,
sehe sie nur von hinten,
höre sie reden,
verstehe aber kein Wort.
Und trotzdem bin ich 
irgendwie glücklich.

Fortschrittlichkeit

Das wäre geschafft.
Bis in Teufels Küche
sind wir schon mal gekommen.
Nun wäre es vielleicht gut,
endlich herauszufinden,
wie wir um Himmels willen 
wieder hinausfinden.

Gemeinsamkeit

Wir fürchten kein Unheil,
das wir jemandem antun.
Was soll man machen?
Irgendetwas muss ja geschehn.
Und besser als einem selbst 
widerfährt es den andern.

Hoffnungslos

Unser tägliches Blut
komme auf uns. Auf ewig
laste unsre Schuld auf uns
und die der andern. Darum
lassen wir uns verführen
von allem Bösen und
befriedigen erbarmungslos 
vergebliche Gelüste.

Sonntag, 8. März 2026

Gnadenhalber

Ich will aber gar nicht glücklich sein.
Unter den herrschenden Bedingungen
ist Glück Verrat am Unglück 
der Leidenden und Erniedrigten,
der Betrogenen und Ausgebeuteten,
der Unterdrückten und Zerstörten.
Wütend und hasserfüllt will ich sein,
unversöhnt mit der Niedertracht 
dieser Welt bis über den Tod hinaus.

Donnerstag, 5. März 2026

Einmal geht’s noch

Ich hätte da so einen Vers,
aber ich weiß gar nicht,
ob ich ihn noch vorbringen soll.
Schön ist er nicht, schlau
auch nur mäßig. Doch immerhin
sagt er viel über mich.
Und damit ist dann auch die Welt 
irgendwie auf den Punkt gebracht.

Poesiefabrik

Früher kostete mich jeder Vers,
jeder einzelne gottverdammte Vers,
literweise Blut, Schweiß und Tränen.
Heutzutage aber schüttle ich
ganze Gedichte aus dem Ärmel,
als wären es gezinkte Spielkarten.
Einfach so und weil ich es eben kann.
Ein Schulterzucken, ein Fingerschnippen
und ein müdes Lächeln: Schwuppdiwupp
ist der Zaubertrick schon wieder vorbei,
das Kaninchen zurück im Zylinder,
und die eben noch zersägte Jungfrau
serviert kalten Kaffee. Das Publikum
langweilt sich bestimmt fast zu Tode,
weil es gar nicht gut aufgepasst hat 
und eigentlich nur aus mir selbst besteht.
Wie auch immer. Was wollte ich sagen?
Ach ja, richtig. Und da steht es auch schon:
Ich schreibe zu viele Gedichte.

Mittwoch, 4. März 2026

Docta ignorantia

Was ihr alles wisst!
Jedenfalls glaubt ihr
zu wissen. Ich aber glaube 
nicht so recht an euer Wissen,
sondern weiß vielmehr,
ihr wisst noch gar nicht,
was ihr wissen müsstet,
damit ich euch glauben könnte.

Influencer

Manchmal träumt mir, ich sei jemand,
ich sei wichtig, auf mich werde gehört,
mein Wort gelte etwas in der Welt,
ich träfe berühmte Leute
und spräche mit ihnen von Gleich zu Gleich.
Dann wache ich auf und bin froh, 
dass ich so unbedeutend bin.
Man stelle sich vor, ich hätte Einfluss,
und die Welt wäre immer noch
so beschissen, wie sie eben ist.
Was sagte das über mich?

Dienstag, 3. März 2026

Lehre

Auf ein Glück hoffend,
das einem gnadenhalber
verwehrt bleiben muss,
hätte man wohl eine Chance 
auf ein bisschen Seligkeit,
wenn man nur wüsste,
wem man glauben kann.

Bisheriger Ertrag

Ich ergebe mich nicht
dem Gefühl der Mickrigkeit
angesichts der Übermacht
der Freunde und Feinde
und mangelnden Zuschauer.
 
Ich bestreite ja gar nicht
mein Leben mit so einem
sogenannten Erfolg.
 
Mir gereicht die Verachtung
zur Ehre, die ich gewohnt bin,
derlei Zugeständnissen
entgegenzubringen. 
 
Denn mir geht es um anderes.
Und daran scheitere ich.
 
Wie soll man aber auch die Welt
mit nichts als nur Wörtern
verbessern, wenn schlechterdings
keiner zuhören will?
 
Hört auf, nicht auf mich zu hören,
dann werdet ihr schon sehn,
was ihr letztlich davon habt:
Etwas Besseres als den Tod 
auf jeden Fall. Glaube ich.

Freitag, 27. Februar 2026

Ihr Herren

Duldet mich nicht.
Vertreibt mich. Sperrt mich weg.
Merzt mich aus. Bevor noch
Schlimmeres geschieht.
Bevor noch irgendwer
auf mein Gerede hin
womöglich gar anfinge,
selbständig zu denken.

Widerrede

Nein. Bis zuletzt: Nein.
Ich stimme nicht zu.
Ich mache nicht mit.
Ich bin dagegen.
Ich wehre mich 
mit allen meinen Mitteln.
Meine Mittel aber
sind nur lauter Wörter,
dir mir nicht gehören
und deren Gebrauch,
so scheint es ja wohl,
keiner verstehen will.

Rückblickend

Ich weiß noch, dass ich dich liebte,
aber nicht mehr, warum eigentlich.
Du musst ja einen ungeheuren
Eindruck auf mich gemacht haben.
Was war Besonderes an dir,
dass ich dir damals sofort verfiel? 
Das ist kaum noch vorstellbar.
Aber zum Glück brauche ich 
mir das auch nicht vorzustellen. 
Ich spüre immer noch den Schmerz
der unerfüllten Sehnsucht in mir.
Das sollte ja wohl genügen.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Sterben

Heute noch nicht, wenn’s geht. 
Auch für morgen habe ich
schon was vor. Und für übermorgen.
Das hätte ich wirklich gerne
noch erledigt. Vielleicht
überhaupt besser erst
in der Woche darauf?
Oder nächsten Monat.
Oder zu Quartalsende.
Muss es denn unbedingt
noch in diesem Jahr sein?
So richtig passt mir das nicht.
Aber wir werden schon
irgendwie zusammenkommen,
der Tod und ich. Muss ja sein.
Ich will mich auch gar nicht
davor drücken, bestimmt nicht.
Am besten, ich melde mich,
wenn es für mich günstig wäre.
Also dann: Bis irgendwann.
Nur bitte nicht jetzt.

Typen

So einer wollte ich nie sein.
So einen bewunderte ich.
So einer hätte ich nie werden können.
So einen hätte ich gern gekannt.
So einen verachtete ich. 
So einer wäre ich gern gewesen.
So einen kannte ich gar nicht.

Dienstag, 24. Februar 2026

Maulwurfsgesänge III

Nachts schweigen die Gräber.
Wie auch bei Tage. Was
hätten sie auch zusagen?
Stirnlampen sind praktisch.
Man hat die Hände frei
für Spaten und Schaufeln.
Wer kennt den Unterschied?
Die Gespräche verliern sich
in verschwitzter Dumpfheit.
Am Ende ist es egal,
ob nun bei Tag oder Nacht
alles seinen Gang geht.
Hauptsache, man kommt voran.

Sonntag, 22. Februar 2026

Naturgedicht

Die Bienen quietschen.
Die Wespen knistern.
Und die Hornissen zischen.
So ein Naturgedicht 
schreibt sich fast von allein.

Maulwurfsgesänge II

Das Erdreich geht über Leichen,
als hätte es nie und nimmer
etwas andres getan.
Und das hat es auch nicht.
Droben geht alles seinen Gang.
Drunten geht’s drunter und drüber.
Die Würmer fressen und werden gefressen.
Der Untergang ist beschlossene Sache.
Keiner weiß, von wem. Jeder gräbt weiter.
Wo es an Tiefgang fehlt, trifft es ich gut,
wenn man hurtiger ist als der Tod.

Auf ewig

Sie geben einander Versprechen,
von denen sie im Voraus wissen,
dass sie sie nicht halten werden,
wenn es darauf ankommen wird.
Was taugt ein Jawort, wenn es nur gilt,
solange es einem gefällt?
In guten wie in schlechten Tagen,
sagen sie, meinen aber bloß:
Sofern es mir dabei gut geht.

Aus der Traum

Muss ich wirklich schon ich sein?
Könnt ich nicht noch eine Weile
ein andrer sein, dem anders
anderswo widerfährt? Im Traum
darf ich sein, was ich will, und
alles tun, was mir einfällt.
Das ist nicht immer schön. Aber
schöner doch, als fremdbestimmt
unter euch leben zu müssen.

Freitag, 20. Februar 2026

Rückblick

Selbstverständlich wäre alles
so viel einfacher gewesen,
wenn ich mich nicht ausgerechnet
in dich verliebt hätte, sondern 
in irgendeinen anderen.
Hab ich aber nicht. Und hätt ich’s,
dann spräche ich hier jetzt zu dem.

Maulwurfsgesänge I

Oder dass die Unendlichkeit
ihrerseits weniger dazu beiträgt.
Auch nachts nicht. Auch im Winter nicht.
Wo nämlich hinter den Bäumen 
der Wald beginnt. Wenigstens die Pilze
hätte man retten sollen, sagen manche.
So gesehn geschehn Zeichen und Wunder,
die keiner beachtet. Wenigstens stehn
am Himmel die Sterne immer noch still .
Davon darf man halten, was man möchte.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Keine Kuhhaut

Ich wasche meine Hände in Tinte.
Das bin ich irgendwem schuldig,
den ich nicht kenne, und mir.
Die Sünden der Väter, der Tanten,
der Großneffen und Schwippschwägerinnen
kratze ich ab mit der Feder, 
bis meine Haut blutig wird
wie die gemeinsame Geschichte.

Kontaktschuld

An meinen Händen klebt dein Blut
seit jeher. Ich wasche es ab 
mit Tinte und Unschuld. 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Dienstag, 17. Februar 2026

Überdeutlich

Sie sprachen von der Revolution,
die alles Unrecht beseitigen sollte,
und errichteten eine Diktatur,
die das Unrecht vermehrte.
 
Sie brannten das Haus nieder,
um die Vermieter zu enteignen,
und zerstörten das Zuhause der Mieter.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Santa Fosca

Ach, Santa Fosca, in deinen Schatten ruhn
für eine Weile. Und die Jahrtausende
dort drüben machen einfach weiter.
Hier aber will ich nur ausruhn und schaun
und alles irgendwie gutsein lassen.

Apokalyptische Ästhetik

Merkst du denn nichts? Schau hin und horch.
Es ist mit Händen fast zu greifen.
Es riecht und schmeckt nach Verderbnis
und nach recht baldigem Untergang. 
Das gibt es doch nicht, dass du das nicht spürst.

Ich Wüterich

Ich wäre gern öfter gehalten,
bin aber zu oft ungehalten.
Mich macht wütend, wenn etwas so ist,
wie es nicht sein soll. Dann bin auch ich,
wie ich nicht sein soll. Das will ich nicht!

Nur so wie

Wie von selbst, also gerade
nicht von selbst, sondern eben nur
wie von selbst; damit ist freilich
schon das Wesentliche gesagt.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Fersengeld

Den heißen Atem der Zukunft
schon jetzt im Nacken spürend,
rennen wir kopflos in unser,
wie wollen nicht sagen:
Verderben, aber genau das
muss es wohl sein. Denn wer
glaubt im Ernst noch daran,
hinter der nächsten Ecke
oder doch der übernächsten
erwarte uns schließlich das Glück?

Montag, 9. Februar 2026

Ägypten?

Ochs und Esel ziehn
einträchtig meinen Karren.
Sie kennen den Weg.
Ich kenne ihn nicht.
Flucht oder Heimkehr?
Und was ist der Unterschied?

Tätersprache

Welche Sprache wäre denn
nicht eine Sprache der Täter?
Wie viele unschuldige Wörter
könnte irgendwer aufsagen?
Satz für Satz gehen sie einander,
wenn sie wollen, an die Gurgel.
Noch ihr Schweigen vermag 
zu töten und zu verscharren.

Samstag, 7. Februar 2026

Verständnishilfe

Er schreibt „ich“,
meint aber nicht sich.
Doch wer, wenn nicht er, 
kann’s bezeugen? 

Freitag, 6. Februar 2026

Höllenspaß

So wichtig bin ich sicher nicht,
dass mich der Teufel holen käme.
Er wird im besten Falle
einen Unterteufel schicken.
Oder bloß dessen Gehilfen,
irgendeinen armen Teufel,
angelernt, unterbezahlt,
der sich drum um nichts schert
und sehr nachlässig arbeitet.
Der muss mich holen gehen.
Trifft er mich dann aber nicht an,
weil ich grad nicht zu Hause bin,
pfeift er drauf, flucht, zuckt die Schultern
und fährt zur Hölle. Ohne mich.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Krähenpläne

Auf Ästen und Leitungen
vor meinem Fenster
sitzen sie und schaun herüber.
Mich beschleicht was.
Und ich denke mir: 
Was wissen die Krähen,
was sie uns nicht verraten?
Sie gucken so komisch.
Als wüssten sie was.
Als hätten sie etwas vor,
was auch uns betrifft,
aber nichts angeht.
Man könnte vermuten,
wir seien ihnen zu dumm,
um uns einzuweihen
in ihre Pläne. 
Wie weise von ihnen.
Also schau ich bloß zu,
wie sie dasitzen
und mich anschweigen.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Haha

Lacht ruhig über mich.
Ich lache auch. Über mich,
über euch, über alles.
Das Lachen schützt mich 
vor euch, vor allem, vor mir
und vor der Verzweiflung. 

Mein Lieber

Lass mich daran scheitern,
dich zu lieben. Lieber
mich an dich verlieren
und verzweifelt hoffen,
als ohne dich auch nicht
besser dran zu sein.
Lieber an dir leiden 
als an sonstwem. Lieber
zu Grunde gehn an dir,
als ohne dich sinnlos
durch die Welt zu treiben.

Das Urteil

Ihr habt leicht reden.
Ihr seid ja auch nicht
dazu verurteilt,
immer ich selbst zu sein.
Jahrein, jahraus, Tag für Tag,
Stunde um Stunde und
jeden einzelnen Augenblick
bin ich mit mir zusammen,
werde mich niemals los
und muss mich ertragen.
Was soll ich sagen?
Schön ist das nicht.

Hinreichendes Gulasch

Einen Dreck wisst ihr von den Seelöwen
oder den uralten Pergamenten,
in denen sorgfältig beschrieben wird,
wie man sorgfältig Pergament beschreibt.
Die Polkappen schmelzen.
Derweil wird gezeltet.
Und an Lagerfeuern geht die Post ab.
Wie jeden Mittwoch. Macht euch hübsch,
bevor euch der Sensenmann holt.
Einmal noch Tiefkühlkost, 
dann nur noch Fischfutter.
Verwickelt, verwackelt, verloren.

Gott steh uns bei

Ich brauche dich dringend.
Ohne dich halte ich es nicht aus.
Wie all den Wahnsinn ertragen,
den Menschen Menschen antun,
all die Morde an Leib und Seele
und Geist, wie die Gleichgültigkeit
durchstehn, die alles verödet,
ohne die Hoffnung auf dich,
die einzige, die noch bleibt 
in dieser irdischen Hölle
aus Hass und Leere?
Nur deine Liebe, meine Liebe
kann mich retten. Sonst nichts.

Notwendiges Gulasch

Gott schuf das Walross,
aber reiten, Genosse,
musst du es schon selbst.
Im Blitzlichtgewitter
verenden die Seebären.
Deren Garn erben die Löwen.
Das ist ganz einfach. 
Hinterlasst eine Nachricht
mit Kummerspeck.
Nur sehr sorgfältig
ausgewähltes Packeis
kommt überhaupt in Frage.
So geht es dahin.
Schon ist wieder Mittwoch.
Und alles verreckt.

Samstag, 31. Januar 2026

Randerscheinung

Ich bin es offensichtlich nicht wert,
von dir geliebt zu werden.
Oder auch nur gemocht.
Oder wenigstens wahrgenommen.
Du hast jedes Recht der Welt,
mich zu missachten.
Das bestreite ich gar nicht. 
Es ist nur leider bloß so,
dass ich mir anderes wünsche.

Auf die Folter gespannt II

Foltert mich nicht.
Ich verrate alles und jeden,
ich bezichtige mich bereitwillig
jeder erdenklichen Untat,
sage und unterschreibe alles,
was ihr mir vorgebt, 
wenn ihr mir nur sagt,
dass die Schmerzen aufhören
oder nicht kommen werden.

Auf die Folter gespannt I

Meinen Willen zu brechen,
wäre gewiss allzu leicht,
also lasst es gefälligst.
Denn ich bin zwar dickköpfig
aber wer weiß, was Schmerzen 
bei mir bewirken würden,
die ich durch Unterwerfung,
durch falsche Geständnisse
oder was immer ihr wollt
vermeiden können möchte.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Mein Glück

Wahrscheinlich kann man sagen,
dass ich durchaus Glück hatte.
Unter anderen Umständen,
anderswo, zu anderer Zeit,
hätte man mich zum Schweigen gebracht.
Oder umgebracht. Oder beides.
So aber lebe ich und rede.
Das beweist allerdings nur
meine Wirkungslosigkeit.
Die Feinde sind ja dieselben,
nur ihr Zugriff ist anders.
Wenn also dies mein Glück ist,
gänzlich unbedeutend zu sein,
warte ich noch auf ein Unglück.

Mittwoch, 28. Januar 2026

So ein Zirkus

Wie ein Löwenbändiger
ganz ohne Löwen
mühe ich mich ab.
Die Nummer ist alles,
was ich so draufhabe.
Es ist gar nicht schön
anzusehn. Keiner applaudiert.
Viele behaupten sogar,
ich hätte noch nie
einen Löwen gebändigt.
Und das Gegenteil kann ich
leider nicht beweisen.
Mangels Löwen.

Das wahre Gesicht

Ihr werdet getäuscht
von den Tatsachen.
Mein zufälliges Gesicht
zeigt euch nicht den,
der ich bin. Was ich sage,
nicht aber, was ihr seht, 
ist das Wesentliche.

Dienstag, 27. Januar 2026

Deutsche Schäferhunde

Hündische Schafsdeutsche.
Schäfische Deutschenhunde.
Deutsche Hundsschafe.
Schäfische Hundsdeutsche. 
Hündische deutsche Schäfer.

Menschheit

Ihr sagt Kultur,
ich sage Massaker
und Zerstörungswut.
Ihr sagt Zivilisation,
ich sage Ausbeutung
und Menschenverachtung.
Ihr sagt Fortschritt,
ich sage Unterdrückung
und Auslöschung.
Ihr sagt Zukunft,
ich sage Macht der Maschinen
und Herrschaft der Knechte.
Wir sprechen dabei durchaus
von derselben Sache.

Montag, 26. Januar 2026

Geheimnisverrat

Manche meiner Gedichte
verschweige ich mir lieber,
das ist meiner Seelenruhe
zuträglicher und zudem
meinen Überlebenswillen. 
Auch dies hier ist so ein Gedicht,
das ich nicht lesen sollte
und das ich noch besser
gar nicht erst schreibe.

Sonntag, 25. Januar 2026

An einen Kritiker

Und selbst wenn ich nicht kann,
was ich machen möchte,
ist es besser, es zu versuchen 
und dann daran zu scheitern, 
als einfach nichts zu tun.
Besser zu viele Einfälle
als keine Wünsche und Ziele,
besser Unfertiges liegen lassen,
als nie anzufangen,
besser ein bisschen Wahnsinn
als ein sinnloses Leben.

Gebet

Lieber Gott, lass nicht zu,
dass ich wehrlos bin
gegen deine Feinde,
die dich vernichten wollen,
indem sie mich vernichten.
Wenn ich sie schon nicht
zermalmen darf, dann bitte
lass mich ihnen hin und wieder
ihr freches Maul stopfen. 

Freitag, 23. Januar 2026

Zerquetschungen

Ihr habt mitgemacht. 
Also seid ihr mitschuldig.
Redet euch nicht heraus, 
Es stimmt, ihr wart unfrei.
Dafür konntet ihr nichts.
Man zwang euch Entscheidungen auf.
Ihr habt euch dafür entschieden, 
lieber mitzumachen, als draufzugehn
oder doch Schaden zu nehmen
an noch anderem als eurer Seele.
Lieber andere zerquetschen,
als selber zerquetscht zu werden.
Lieber zuschaun und schweigen,
wenn andere zerquetscht werden,
als selber zerquetscht zu werden.
Lieber rufen: Zerquetscht sie!,
als selber zerquetscht zu werden.
Eure Seelen nahmen Schaden,
eure Leben wurden beschädigt,
anderer Leben wurden beschädigt,
anderer Leben wurden zerstört.
Weil ihr mitgemacht habt, lebt ihr noch,
immerhin, bis auf weiteres.
Weil ihr mitgemacht habt und
weil ihr schuldig geworden seid,
könntet ihr sagen, wie es war.
Könntet zugeben, was ihr getan habt,
und was ihr unterlassen habt.
Ihr aber schweigt. Oder redet euch heraus.
Und tut euch selber leid,
ihr zerquetschten Zerquetscher.

Montag, 19. Januar 2026

Pein

Recht unangenehm ist es,
nasse Socken zu tragen.
Und fürchterlich, in Blut zu waten.
Das eine widerfährt manchem.
Das andere lassen wir zu.
Wehe uns.

Samstag, 17. Januar 2026

Schrei

Unsäglich peinlich bin ich,
weshalb jeder mich meidet,
lächerlich, jämmerlich, ein Narr,
der sich für jemanden hält,
aber ein Nichts ist, ein Niemand.

Tourette

So ist es schön. So kann es bleiben.
Zwischen uns ist alles gesagt. Außer,
du hättest noch was auf dem Herzen,
was ich nicht wissen soll. Wir teilen uns
ein Stückchen eines Weges, mehr nicht.
Das ist schon sehr viel. Lass es uns bitte
genießen. Oder siehst du das anders?

Strandgut vielleicht

Wenn auch mit vielen Muscheln Verspätung
umfassen die Strände de Krabben,
Der Möwen einsame Lieder
verkennen die Struktur der Welt
so wenig wie der Hafer die Grütze.
Und eine Mütze mag verwehen, wer will,
es wird doch kein Schuh daraus, nirgends.
Aber wenn das Bernsteinzimmer anbrandet,
ist die Welt noch in Ordnung, ihr Schweine.

Sonntag, 11. Januar 2026

Freitag, 9. Januar 2026

Speckstein und Erben

Wenn die Fürze quersitzen,
wandert die Fröhlichkeit ab
und die Sterne wissen nicht,
wem sie noch brennen sollen.
Konfuzius aber sagt,
still und starr ruhe der See.
Während das Tannenbäumchen
einsam verglüht in der Nacht
vor seinem Tode. Fleischlos
ernährt sich das Eichhörnchen,
und der Regenwurm bibbert,
bis er ins Trockendock kommt.
Wer sich für Grillzeug erwärmt,
hätte jetzt Gelegenheit
zu einem letzten Tango.
Die Asche fliegt bis zum Mond.

Abstieg

Vor mir liegt die Unendlichkeit,
wenn ich schlafe und träume.
Wenn ich aber wach bin,
bedrängt mich das Elend
dieser mickrigen Welt.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Utopie

Zu weit gegangen.
Wohin keiner wollte.
Einsam geblieben.
Wege gebahnt.
Ohne etwas erreicht zu haben.
Nicht vorangekommen,
nur bis ans Ende.

Montag, 5. Januar 2026

Meine Zeitgenossen

Ach, wisst ihr was, von mir aus
können alle zur Hölle fahren,
wenn es das ist, was sie wollen.
Wer bin ich denn, ihn zu sagen,
sie hätten Heilige zu sein
oder auch nur halbwegs anständig?

Admonitio ad me ipsum

Denkst dir halt immer, kannst ja noch warten, hast ja noch Zeit. Einen Scheiß hast. Morgen tot sein kannst du. Was du nicht sofort end...