Mittwoch, 4. November 2026

Meinungsfreiheit

Ich denke gar nicht daran.
alle meine Gedichte
auch verstehen zu wollen.
Es ist schon Aufwand genug,
meine ich, sie zu schreiben.

Bedenken

Vor dir schäme ich mich nicht,
aber nicht weil du tot bist
und mich nicht verraten wirst,
sondern weil ich annehme,
dass du mich besser verstehst.

Auskunft

Er hätte gerne gewusst,
wo eigentlich Gott wohnt.
Aber das Geschwätz war zu laut
und das Schweigen zu hart.
Er ließ es auf sich beruhen 
und schrieb einfach: postlagernd.

Kaffee und Kuchen

Dort liegt ein Erdbeerfeld,
das keiner kennt und keiner will,
als wäre keinem verraten worden,
wo sonntags der Hammer hängt.
Der Schmiedel kann auch was,
nur Hänschen weiß das nicht,
der sorglose Tausendsassa,
den man in allen Gassen henkt.
Die Bürger kommen überein,
lieber nichts gesagt zu haben.
Dann gibt es auch keine Gerüchte.
Sahne drauf. Und geht schon.

Böhmische Fjorde III

Im Zwielicht der Zwiebeln
dampfen des Morgens die Hörner
des Nebels kunstvolle Ringe aus.
Das Meer verrinnt, was denn sonst,
es kann ja nichts anderes.
Schon hallt auch der Knoblauch
durch alle Gänge, und an Deck
vergisst man leicht das Gemüse.
Siehe, die Seefahrt, sie reißt
sich einigermaßen zusammen
und macht gütige Miene 
zur schlechten Küche.

Dienstag, 3. November 2026

Zuruf

Schweige still, Seele,
du machst dich nur lächerlich
mit deinem dünnen Gesang.
Niemand will es hören,
wenn du die Hosen herunterlässt
und deine Notdurft verrichtest,
als müsse dir nichts peinlich sein.
Sollte es nämlich doch.

Einwand

Je unbedeutender ein Gedicht,
desto wahrscheinlicher ist es
einfach nur wahr.
Aber es sollte doch schön sein.

Meinungsfreiheit

Ich denke gar nicht daran. alle meine Gedichte auch verstehen zu wollen. Es ist schon Aufwand genug, meine ich, sie zu schreiben.