Freitag, 6. November 2026

Ätsch

Dass ich könnte, wenn ich wollte,
wäre leicht zu beweisen.
Aber ich will nicht.

Heimat

Ich wohne in einem Land,
in dem die Gebräuche nicht teile
und mir die Sprache zuwider ist.
Zwar versuche ich wegzuschaun,
wenn die trostlosen Leben der Leute
an mir vorübergeführt werden.
Aber das Unsägliche drängt sich auf.
Man wird das Unbehagen nicht los,
die entsetzliche Gemütlichkeit
des normalisierten Wahnsinns.
Dass alles furchtbar verkommt,
ist kein Ausdruck der Verzweiflung,
sondern allgemeiner Zustimmung.
Müllhalde, Einöde, Freizeitpark.
Hier hält mich nichts. Also muss ich nicht fort.
Ich war nie hier, sage ich immer,
wohl wissend, dass niemand zuhört.
Ist das so schwer zu verstehn?
Anderswo wäre ich auch bloß ich
und ginge mir auf die Nerven.
Was nicht heißt, ich müsse bleiben.
Ich kenne Besseres, Schöneres,
für das es zu spät ist. Zum Sterben
taugt aber wohl auch dieser Ort.

Zusammengefasst

Ich wusste schon als Kind,
das die andern im Unrecht waren,
und als Jugendlicher konnte ich
kaum an anderes denken.
Später ging es hin und her,
meistens war es unangenehm.
Anscheinend musste ich erst
ein gewisses Alter erreichen,
um auch die Mittel zu haben,
den andern ihr Unrecht
wirklich nachzuweisen zu können.
Genützt hat es mir nichts.
Ihnen auch nicht. Und niemandem.

Donnerstag, 5. November 2026

Aus dem Papierkorb

    1 
Meine schlechten Gedichte
habe doch auch ein Gutes:
Immerhin weiß man durch sie,
woran man denn bei mir ist. 


    2
Ich hielt es für Verse,
es war aber einfach nur
ganz gewöhnliche Prosa,
die gestelzt daherkam. 


    3
Zum Glück ist ja niemand gezwungen.
sich einen Reim darauf zu machen,
was ich mir da so zusammenreime.

Mittwoch, 4. November 2026

Meinungsfreiheit

Ich denke gar nicht daran.
alle meine Gedichte
auch verstehen zu wollen.
Es ist schon Aufwand genug,
meine ich, sie zu schreiben.

Bedenken

Vor dir schäme ich mich nicht,
aber nicht weil du tot bist
und mich nicht verraten wirst,
sondern weil ich annehme,
dass du mich besser verstehst.

Auskunft

Er hätte gerne gewusst,
wo eigentlich Gott wohnt.
Aber das Geschwätz war zu laut
und das Schweigen zu hart.
Er ließ es auf sich beruhen 
und schrieb einfach: postlagernd.

Ätsch

Dass ich könnte, wenn ich wollte, wäre leicht zu beweisen. Aber ich will nicht.