Mittwoch, 14. Oktober 2026

Auf einem Totenbett

Vergebt mir, wenn es denn sein muss,
was ihr an mir nicht verstanden habt,
wie auch ich euch, nur dringlicher,
gar nicht erst zu verstehen vermochte.
Wovon keine Rede sein kann,
dafür braucht wirklich niemand
um Entschuldigung nachzusuchen.
Eure Nachsicht käme euch zugute,
wenn ihr mich nur ausreden ließet.
Jedenfalls also Schwamm drüber,
ich will nichts gesagt haben.
Meine Verfehlungen sind zu bekannt,
um hier erörtert werden zu müssen,
schon gar nicht von euch. Ihr wisst
ja noch gar nicht, dass ich euch trotzdem 
alles von Herzen verzeihe.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Kältebus

Das Gute wird wieder
getan werden müssen,
weil sie es nicht schaffen,
zu jeder Jahreszeit
mit dem Unrecht zu brechen,
das den Nächsten dazu verdammt,
herzlos zu sein und wegzuschaun.
Lieber schuften sie für die Falschen
und produzieren Dreck,
als das Risiko einzugehn,
miteinander glücklich zu sein
nach der Revolution.
So kriecht die Kälte weiter
durch die bitteren Städte,
und nicht jeden erreicht 
das bisschen Widerstand,
die menschliche Wärme. 

Heizperiode

Ich werde einen Herbst gewollt
und einen Winter bekommen haben,
der wieder langweilig sein wird,
weil fast schneelos und ohne Kälte.
Es geht mir dabei nicht ums Frieren,
sondern um den Ausnahmezustand,
darum, dem Widrigen zu trotzen,
statt in lauwarmer Gewöhnlichkeit
dahinzuplätschern. Macht es euch nicht
zu gemütlich bei eurem Untergang.

Das alte Lied

Manchmal, aber nur manchmal
bin ich davon überzeugt,
dass du an allem schuld bist,
was schief gegangen ist 
in meinem Leben. Aber dann
denke ich mir wieder,
immerhin war es doch ich,
der sich dich ausgesucht hatte.

Diätetik der Vernunft

Mit meiner Fettleibigkeit
protestiere ich nachhaltiger
gegen den Welthunger
als ihr mit euren Ernährungstrends
und Designerkörpern.

Macht

Wenn du mich liebst,
bin ich liebenswert.
Wenn du mich nicht liebst,
bin ich nicht liebenswert.
So oder so also 
bestimmst du mein Leben.

Sonntag, 11. Oktober 2026

Böhmische Fjorde II

Steile Träume verwundern mich selbst
und das Unbehagen überquert mit mir
raschen Schrittes das Flussbett.
Was soll ich sagen? Ich bin eben
ein Tausendsassa oder so etwas.
Gewaltige Landschaften ragen
auf in rasantester Fahrt. Absturz
ist gar nicht erst vorgesehen.
Aus den Augen verliert sich,
wer den Weg kennt, aber wozu
soll der auch gut sein? Selbst ist der Held.
Das geht schon. Nur die Ruhe.
Erst watet es sich gemütlich,
dann schießen Sturzflüge
mir durch den freundlichen Kopf.
Diese Reise kennt kein Zurück, 
nur Aufenthalte im Freien.

Auf einem Totenbett

Vergebt mir, wenn es denn sein muss, was ihr an mir nicht verstanden habt, wie auch ich euch, nur dringlicher, gar nicht erst zu verstehen v...