Samstag, 24. Oktober 2026

Wohnrecht

Wenn mich nicht alles täuscht,
kann mich nichts mehr enttäuschen.
Zwar mache ich mir durchaus
immer noch Hoffnungen, aber
ich erwarte längst nicht mehr,
dass sie jemand erfüllt.
In diesem Widerspruch
habe ich mich eingerichtet
und hoffe darauf,
dass ich bald umziehe,
was nicht geschehen wird.

Freitag, 23. Oktober 2026

Unruhige Jugendliche

Entpannt euch mal, Jungs,
und lasst euch von einem Kumpel
schön in den Arsch ficken.
Und dann sieht die Welt 
bestimmt gleich ganz anders aus.

Herbstgedicht

Wenn es draußen kalt ist,
trübe und unwirtlich,
dann fühlt sich die Welt
endlich so an,
wie sie wirklich ist.

Dienstag, 20. Oktober 2026

Vorüberlegungen

Nur sehr ungern würde ich
in einem eurer Kriege sterben.
Auch an Hunger nicht gern
und nicht an einer eurer Seuchen.
Lassen wir es doch am besten
wie einen Unfall aussehn,
wenn ihr mich eines schönen Tages
rasch loswerden müsst. Zur Not
wie eine Naturkatastrophe;
Waldbrand, Sturmflut, Vulkanausbruch,
was gerade zur Hand ist.
Doch wenn es sich einrichten ließe,
flöge ich gern bei einem Missgeschick
beim Hantieren mit Sprengstoff
in die Luft, in der Hoffnung,
dass nichts von mir übrig bliebe,
was jemanden belasten könnte.
Aber das muss ich wohl 
ganz euch überlassen, 
ihr wisst sicher am besten,
welcher Tod zu mir passt. 

Eschaton

Ich bin kaputt. Und niemand
auf der ganzen weiten Welt
macht mich wieder heil. Aber 
das ist nicht das letzte Wort.

Montag, 19. Oktober 2026

Moderne Elegien (4-7)

Man muss peinlich genau darauf achten,
alle Schamgrenzen zu überschreiten.
Keine Aufmerksamkeit bringt auch kein Geld.
Also zur Not die Omi verkaufen,
statt auf dem Anstand sitzen zu bleiben.
 
 
In ästhetischer Hinsicht scheinen
die Ideale der Bordsteinschwalbe
und des muckibudengestählten
Luden ziemlich vorzuherrschen.
 
 
Kauf dich schön.
Kauf dich glücklich.
Kauf dich unsterblich.
Und verkauf dich,
damit du dich dir leisten kannst.
 
 
Sei Kind und spiele dich in einen Rausch.
Wen interessiert schon die Wirklichkeit, 
wenn er ein buntes Nichts verzehren darf.

Sonntag, 18. Oktober 2026

Moderne Elegien (1-3)

Die Frische aus der Verpackung
schenkt einen guten Tag,
fast schon ein schönes Leben.
Man muss eben wissen,
was man kaufen muss,
um richtig zu riechen.


Sich unbewusst zu ernähren,
also das Falsche zu fressen,
wenn alle das Richtige fressen,
oder doch die, auf die's ankommt,
wäre eine Todsünde,
fast wie Völlerei oder Welthunger.


Fetzen um Fetzen
ziert die Stange,
von der es kommt,
dass man so nahtlos 
im Passenden sitzt.

Wohnrecht

Wenn mich nicht alles täuscht, kann mich nichts mehr enttäuschen. Zwar mache ich mir durchaus immer noch Hoffnungen, aber ich erwarte längst...