Montag, 22. Juni 2026

Kein Mensch mehr

Auch heute bin ich kein Roboter.
Aber es fällt mir jeden Tag schwerer,
der Maschine, die den Nachweis verlangt,
dass ich ein Mensch bin, einen solchen
zweifelsfrei zu erbringen. Was wird sein,
wenn meine schlechten Augen mich hindern,
Ampeln, Fahrräder, Zebrastreifen
in ausreichendem Maße anzuklicken?
Wird mich dann die befugte Maschine,
besorgt um das Wohl meiner Mitmenschen,
aus deren Kreis ausschließen? Bei wem 
könnte ich darüber Klage führen?
Kein Mensch wird mir glauben. Und das zurecht.

Samstag, 20. Juni 2026

Marktgeschrei

Ein Mauerblümchen bin ich
in umkämpftem Urwald,
wo Wuchern und Welken,
Fressen und Verdautwerden,
Wiederkäun und Ausscheiden
das Tagesgeschäft sind.
Wie also hier überleben?
Das muss ich ja gar nicht.
Ich bleibe an stillem Plätzchen
und lehne mich an Ruinen.
Ich mische mich ein,
ohne dass jemand es merkt.
Im Verborgnen zu blühn,
ist eine meiner leichtesten, 
allerleichtesten Übungen.
Der Rest ist Untergehn.

Samstag, 13. Juni 2026

Mittwoch, 10. Juni 2026

Phantomschmerz

Immer noch du, wer denn sonst.
Immer noch diese Trauer,
um nicht zu sagen: der Schmerz,
dich verloren zu haben,
den ich nie hatte.
Immer noch das Bedauern,
nicht der gewesen zu sein,
der dich lieben durfte.
Und noch immer die Hoffnung,
diese völlig sinnlose Hoffnung,
es könnte doch noch werden,
wovon ich sehr wohl weiß,
dass es nicht sein kann.

Liebhaberei

Irgendwer wird dich schon lieben,
da bin ich mir ganz sicher,
und wenn ich es nicht sein darf,
weil du das nicht willst,
wird es eben ein anderer sein.
Mir ist es recht, so oder so,
denn auf mich kommt es nicht an.

Montag, 8. Juni 2026

Glimpfliche Rauferei

Und die Nase war ungebrochen,
als wären die Fäuste nicht geflogen,
das kann aber doch gar nicht sein,
es kam doch zu Handgreiflichkeiten,
da hätte schnell sonstwas passieren können,
zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert
als ein wackelnder Zahn. So sind sie
mit blauen Augen davon gekommen.

Sonntag, 7. Juni 2026

Heidenspaß

Sie hätten, da bin ich mir sicher,
weit Wichtigeres zu tun,
als gerade mich zu verfolgen,
aber sie nehmen sich die Zeit dafür,
denn sie tun es nicht zum Vergnügen,
sondern aus Pflichtgefühl,
auch wenn sie dabei, wie es scheint,
einen Heidenspaß haben.

Kein Mensch mehr

Auch heute bin ich kein Roboter. Aber es fällt mir jeden Tag schwerer, der Maschine, die den Nachweis verlangt, dass ich ein Mensch bin, ...