Mittwoch, 10. Juni 2026

Phantomschmerz

Immer noch du, wer denn sonst.
Immer noch diese Trauer,
um nicht zu sagen: der Schmerz,
dich verloren zu haben,
den ich nie hatte.
Immer noch das Bedauern,
nicht der gewesen zu sein,
der dich lieben durfte.
Und noch immer die Hoffnung,
diese völlig sinnlose Hoffnung,
es könnte doch noch werden,
wovon ich sehr wohl weiß,
dass es nicht sein kann.

Liebhaberei

Irgendwer wird dich schon lieben,
da bin ich mir ganz sicher,
und wenn ich es nicht sein darf,
weil du das nicht willst,
wird es eben ein anderer sein.
Mir ist es recht, so oder so,
denn auf mich kommt es nicht an.

Montag, 8. Juni 2026

Glimpfliche Rauferei

Und die Nase war ungebrochen,
als wären die Fäuste nicht geflogen,
das kann aber doch gar nicht sein,
es kam doch zu Handgreiflichkeiten,
da hätte schnell sonstwas passieren können,
zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert
als ein wackelnder Zahn. So sind sie
mit blauen Augen davon gekommen.

Sonntag, 7. Juni 2026

Heidenspaß

Sie hätten, da bin ich mir sicher,
weit Wichtigeres zu tun,
als gerade mich zu verfolgen,
aber sie nehmen sich die Zeit dafür,
denn sie tun es nicht zum Vergnügen,
sondern aus Pflichtgefühl,
auch wenn sie dabei, wie es scheint,
einen Heidenspaß haben.

Samstag, 6. Juni 2026

Wie grässlich

Wahrscheinlich ahne ich gar nicht,
wie grässlich ich wirklich bin,
denn aus lauter Zartgefühl
deutet man es mir nur an.
 
Selbsterkenntnis ist schrecklich.
auch wenn sie’s gelassen verschmäht,
mich zu vernichten. Fürs Erste
genügt es ihr, mich völlig
zu verunsichern. Erst später.
werde ich das ganze Ausmaß
der Misere begreifen.
 
Was für ein Ungeheuer,
zumindest ein ungeheurer
Versager muss ich wohl sein,
wenn mir nie aufgefallen ist,
wie grässlich ich eigentlich bin.

Mittwoch, 3. Juni 2026

Vertröstung

Das Blaue vom Himmel
wurde schon andern versprochen
und wird auch nicht gebrochen.
Das klingt zunächst hart,
ist aber nur gerecht.
Zu schön, um wahr zu sein, 
ist es sowieso.

Montag, 1. Juni 2026

Behausung

Meine Meisterwerke und ich,
wir wohnen im Elfenbeinturm.
Allerdings nur im Keller,
wo es eng, finster und feucht ist.
Die Spinnen mögen uns nicht.
Dem Schimmel sind wir egal.
Keiner besucht uns und wir
bekommen auch keine Post.
Wahrscheinlich haben alle 
eine ganz falsche Anschrift von uns.

Phantomschmerz

Immer noch du, wer denn sonst. Immer noch diese Trauer, um nicht zu sagen: der Schmerz, dich verloren zu haben, den ich nie hatte. Imme...