Montag, 13. April 2026

Unter Geiern

Lieber ein Paradiesvogel
auf schütterem Dach
als eine gut gebratene Gans
in den fettigen Fingern
von Friedhofsbetreibern.
Die Welt gehört den Gierigen.
den Rücksichtslosen, den Blendern,
bis man sie ihnen wegnimmt.
Schluss mit dem Plündern.
her mit Anstand und Weisheit!
Es ist Zeit für ein Ende 
der Zeiten. Lasst uns leben!

Freiwild

Niemandem untertan.
von allen gejagt,
zu Haus und Hof
gar nicht erst zugelassen.
von Versteck zu Versteck
mutwillig hastend,
immer im Recht und 
jeder überlebte Tag
wieder ein kleiner Sieg.

Donnerstag, 9. April 2026

Und übrigens

Es ist selbstverständlich zu spät.
Es war immer schon zu spät.
Aber früher ging’s nicht.
Und heute geht es erst recht nicht.
 
So gesehn war es vergebens,
es überhaupt zu versuchen.
Doch das musste ich wohl.
Wozu denn sonst leben?

Freitag, 3. April 2026

Orphisch

Es gäbe die Schönheit
und man könnte ihr singen,
während in Blut waten 
die Menschenfresser.
So ist das Leben.

Donnerstag, 2. April 2026

Opfergabe

Im Honig ersäuft
die Arbeitsbiene,
und ihre Todesangst
würzt ihrer Königin 
deren Schlummertrunk.
Du bist meine Heimat,
nichts und niemand sonst.
Wo du bist, gehöre ich hin, 
und wo wärst du nicht.

Sonntag, 29. März 2026

Epische Skizze

Sie sprachen und sprachen
die Nachrichten und Nachrichten,
als sei heute ein Heute gewesen
und gäbe es morgen ein Morgen.
Die Verrohung war grenzenlos.
Beim Lügen musste keiner mehr
sich Mühe geben. Unverschämt
konnte man sich erwischen lassen
und mit allem davonkommen.
Die anderen ließ man verrecken.
Auf die Zukunft schiss man,
malte sie bunt an und ließ
die Leute sie fressen, gegen Bezahlung.
Alle wollten dabei sein. Viele
versteckten sich in Süchten,
Ticks und Marotten. Albtraumhaft
war die Normalität ganz normal.
Derweil ging die Welt unter.
Das sagten sie schon und zeigten
die vielen Bilder dazu.
Selbst die Gierigen gähnten 
in tödlicher Langeweile.
So weit die Nachrichten.
Und nun zum Wetter.

Unter Geiern

Lieber ein Paradiesvogel auf schütterem Dach als eine gut gebratene Gans in den fettigen Fingern von Friedhofsbetreibern. Die Welt gehö...