Donnerstag, 5. März 2026

Einmal geht’s noch

Ich hätte da so einen Vers,
aber ich weiß gar nicht,
ob ich ihn noch vorbringen soll.
Schön ist er nicht, schlau
auch nur mäßig. Doch immerhin
sagt er viel über mich.
Und damit ist dann auch die Welt 
irgendwie auf den Punkt gebracht.

Poesiefabrik

Früher kostete mich jeder Vers,
jeder einzelne gottverdammte Vers,
literweise Blut, Schweiß und Tränen.
Heutzutage aber schüttle ich
ganze Gedichte aus dem Ärmel,
als wären es gezinkte Spielkarten.
Einfach so und weil ich es eben kann.
Ein Schulterzucken, ein Fingerschnippen
und ein müdes Lächeln: Schwuppdiwupp
ist der Zaubertrick schon wieder vorbei,
das Kaninchen zurück im Zylinder,
und die eben noch zersägte Jungfrau
serviert kalten Kaffee. Das Publikum
langweilt sich bestimmt fast zu Tode,
weil es gar nicht gut aufgepasst hat 
und eigentlich nur aus mir selbst besteht.
Wie auch immer. Was wollte ich sagen?
Ach ja, richtig. Und da steht es auch schon:
Ich schreibe zu viele Gedichte.

Mittwoch, 4. März 2026

Docta ignorantia

Was ihr alles wisst!
Jedenfalls glaubt ihr
zu wissen. Ich aber glaube 
nicht so recht an euer Wissen,
sondern weiß vielmehr,
ihr wisst noch gar nicht,
was ihr wissen müsstet,
damit ich euch glauben könnte.

Influencer

Manchmal träumt mir, ich sei jemand,
ich sei wichtig, auf mich werde gehört,
mein Wort gelte etwas in der Welt,
ich träfe berühmte Leute
und spräche mit ihnen von Gleich zu Gleich.
Dann wache ich auf und bin froh, 
dass ich so unbedeutend bin.
Man stelle sich vor, ich hätte Einfluss,
und die Welt wäre immer noch
so beschissen, wie sie eben ist.
Was sagte das über mich?

Dienstag, 3. März 2026

Lehre

Auf ein Glück hoffend,
das einem gnadenhalber
verwehrt bleiben muss,
hätte man wohl eine Chance 
auf ein bisschen Seligkeit,
wenn man nur wüsste,
wem man glauben kann.

Bisheriger Ertrag

Ich ergebe mich nicht
dem Gefühl der Mickrigkeit
angesichts der Übermacht
der Freunde und Feinde
und mangelnden Zuschauer.
 
Ich bestreite ja gar nicht
mein Leben mit so einem
sogenannten Erfolg.
 
Mir gereicht die Verachtung
zur Ehre, die ich gewohnt bin,
derlei Zugeständnissen
entgegenzubringen. 
 
Denn mir geht es um anderes.
Und daran scheitere ich.
 
Wie soll man aber auch die Welt
mit nichts als nur Wörtern
verbessern, wenn schlechterdings
keiner zuhören will?
 
Hört auf, nicht auf mich zu hören,
dann werdet ihr schon sehn,
was ihr letztlich davon habt:
Etwas Besseres als den Tod 
auf jeden Fall. Glaube ich.

Freitag, 27. Februar 2026

Ihr Herren

Duldet mich nicht.
Vertreibt mich. Sperrt mich weg.
Merzt mich aus. Bevor noch
Schlimmeres geschieht.
Bevor noch irgendwer
auf mein Gerede hin
womöglich gar anfinge,
selbständig zu denken.

Einmal geht’s noch

Ich hätte da so einen Vers, aber ich weiß gar nicht, ob ich ihn noch vorbringen soll. Schön ist er nicht, schlau auch nur mäßig. Doch im...