Dienstag, 20. Oktober 2026

Vorüberlegungen

Nur sehr ungern würde ich
in einem eurer Kriege sterben.
Auch an Hunger nicht gern
und nicht an einer eurer Seuchen.
Lassen wir es doch am besten
wie einen Unfall aussehn,
wenn ihr mich eines schönen Tages
rasch loswerden müsst. Zur Not
wie eine Naturkatastrophe;
Waldbrand, Sturmflut, Vulkanausbruch,
was gerade zur Hand ist.
Doch wenn es sich einrichten ließe,
flöge ich gern bei einem Missgeschick
beim Hantieren mit Sprengstoff
in die Luft, in der Hoffnung,
dass nichts von mir übrig bliebe,
was jemanden belasten könnte.
Aber das muss ich wohl 
ganz euch überlassen, 
ihr wisst sicher am besten,
welcher Tod zu mir passt. 

Eschaton

Ich bin kaputt. Und niemand
auf der ganzen weiten Welt
macht mich wieder heil. Aber 
das ist nicht das letzte Wort.

Montag, 19. Oktober 2026

Moderne Elegien (4-7)

Man muss peinlich genau darauf achten,
alle Schamgrenzen zu überschreiten.
Keine Aufmerksamkeit bringt auch kein Geld.
Also zur Not die Omi verkaufen,
statt auf dem Anstand sitzen zu bleiben.
 
 
In ästhetischer Hinsicht scheinen
die Ideale der Bordsteinschwalbe
und des muckibudengestählten
Luden ziemlich vorzuherrschen.
 
 
Kauf dich schön.
Kauf dich glücklich.
Kauf dich unsterblich.
Und verkauf dich,
damit du dich dir leisten kannst.
 
 
Sei Kind und spiele dich in einen Rausch.
Wen interessiert schon die Wirklichkeit, 
wenn er ein buntes Nichts verzehren darf.

Sonntag, 18. Oktober 2026

Moderne Elegien (1-3)

Die Frische aus der Verpackung
schenkt einen guten Tag,
fast schon ein schönes Leben.
Man muss eben wissen,
was man kaufen muss,
um richtig zu riechen.


Sich unbewusst zu ernähren,
also das Falsche zu fressen,
wenn alle das Richtige fressen,
oder doch die, auf die's ankommt,
wäre eine Todsünde,
fast wie Völlerei oder Welthunger.


Fetzen um Fetzen
ziert die Stange,
von der es kommt,
dass man so nahtlos 
im Passenden sitzt.

Samstag, 17. Oktober 2026

Frühe Einsicht

Ich war nie jung, war immer schon
ein alter Narr und schaute
dem närrischen Treiben
der andern verständnislos zu.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Auf einem Totenbett

Vergebt mir, wenn es denn sein muss,
was ihr an mir nicht verstanden habt,
wie auch ich euch, nur dringlicher,
gar nicht erst zu verstehen vermochte.
Wovon keine Rede sein kann,
dafür braucht wirklich niemand
um Entschuldigung nachzusuchen.
Eure Nachsicht käme euch zugute,
wenn ihr mich nur ausreden ließet.
Jedenfalls also Schwamm drüber,
ich will nichts gesagt haben.
Meine Verfehlungen sind zu bekannt,
um hier erörtert werden zu müssen,
schon gar nicht von euch. Ihr wisst
ja noch gar nicht, dass ich euch trotzdem 
alles von Herzen verzeihe.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Kältebus

Das Gute wird wieder
getan werden müssen,
weil sie es nicht schaffen,
zu jeder Jahreszeit
mit dem Unrecht zu brechen,
das den Nächsten dazu verdammt,
herzlos zu sein und wegzuschaun.
Lieber schuften sie für die Falschen
und produzieren Dreck,
als das Risiko einzugehn,
miteinander glücklich zu sein
nach der Revolution.
So kriecht die Kälte weiter
durch die bitteren Städte,
und nicht jeden erreicht 
das bisschen Widerstand,
die menschliche Wärme. 

Vorüberlegungen

Nur sehr ungern würde ich in einem eurer Kriege sterben. Auch an Hunger nicht gern und nicht an einer eurer Seuchen. Lassen wir es doch am b...