Mittwoch, 25. Februar 2026

Sterben

Heute noch nicht, wenn’s geht. 
Auch für morgen habe ich
schon was vor. Und für übermorgen.
Das hätte ich wirklich gerne
noch erledigt. Vielleicht
überhaupt besser erst
in der Woche darauf?
Oder nächsten Monat.
Oder zu Quartalsende.
Muss es denn unbedingt
noch in diesem Jahr sein?
So richtig passt mir das nicht.
Aber wir werden schon
irgendwie zusammenkommen,
der Tod und ich. Muss ja sein.
Ich will mich auch gar nicht
davor drücken, bestimmt nicht.
Am besten, ich melde mich,
wenn es für mich günstig wäre.
Also dann: Bis irgendwann.
Nur bitte nicht jetzt.

Typen

So einer wollte ich nie sein.
So einen bewunderte ich.
So einer hätte ich nie werden können.
So einen hätte ich gern gekannt.
So einen verachtete ich. 
So einer wäre ich gern gewesen.
So einen kannte ich gar nicht.

Dienstag, 24. Februar 2026

Maulwurfsgesänge III

Nachts schweigen die Gräber.
Wie auch bei Tage. Was
hätten sie auch zusagen?
Stirnlampen sind praktisch.
Man hat die Hände frei
für Spaten und Schaufeln.
Wer kennt den Unterschied?
Die Gespräche verliern sich
in verschwitzter Dumpfheit.
Am Ende ist es egal,
ob nun bei Tag oder Nacht
alles seinen Gang geht.
Hauptsache, man kommt voran.

Sonntag, 22. Februar 2026

Naturgedicht

Die Bienen quietschen.
Die Wespen knistern.
Und die Hornissen zischen.
So ein Naturgedicht 
schreibt sich fast von allein.

Maulwurfsgesänge II

Das Erdreich geht über Leichen,
als hätte es nie und nimmer
etwas andres getan.
Und das hat es auch nicht.
Droben geht alles seinen Gang.
Drunten geht’s drunter und drüber.
Die Würmer fressen und werden gefressen.
Der Untergang ist beschlossene Sache.
Keiner weiß, von wem. Jeder gräbt weiter.
Wo es an Tiefgang fehlt, trifft es ich gut,
wenn man hurtiger ist als der Tod.

Auf ewig

Sie geben einander Versprechen,
von denen sie im Voraus wissen,
dass sie sie nicht halten werden,
wenn es darauf ankommen wird.
Was taugt ein Jawort, wenn es nur gilt,
solange es einem gefällt?
In guten wie in schlechten Tagen,
sagen sie, meinen aber bloß:
Sofern es mir dabei gut geht.

Aus der Traum

Muss ich wirklich schon ich sein?
Könnt ich nicht noch eine Weile
ein andrer sein, dem anders
anderswo widerfährt? Im Traum
darf ich sein, was ich will, und
alles tun, was mir einfällt.
Das ist nicht immer schön. Aber
schöner doch, als fremdbestimmt
unter euch leben zu müssen.

Sterben

Heute noch nicht, wenn’s geht.  Auch für morgen habe ich schon was vor. Und für übermorgen. Das hätte ich wirklich gerne noch erledigt. ...