Donnerstag, 30. April 2026

Schöpferische Verheißung

Es lasse sich ein Leben führen
der restlosen Hingabe
und der erwiderten Gnade.
Von Geist zu Geist und Leib zu Leib
lasse sich das Gute schaffen 
und endlich bewahren,
eingehend in die Ewigkeit.

Mittwoch, 22. April 2026

Gestellt

Fremde Leute stellen fremde Fragen.
Meine Antworten sind aber dieselben
für jeden. Ich habe keine andern.
Dass sie so vielen so fremd sind, 
ist eine ganz andere Sache.

Montag, 20. April 2026

Vita brevis III

Besser auf Abstand bleiben
zum eigenen Leben und
sich nicht einmischen 
in das, was einen angeht.

Sonntag, 19. April 2026

Vita brevis II

Die Gelegenheit hat mich verpasst,
und kommt auf keinen Fall wieder.
Das war’s dann also. Meine Hoffnungen 
können mich irgendwo verscharren.

Donnerstag, 16. April 2026

Vita brevis I

Aus sicherer Entfernung betrachtet
ist das Leben gleich weniger unschön.
Man könnte fast meinen, es lohne 
den Aufwand. Aber das täuscht.

Was auch immer das heißt

Da ist etwas, was man nicht weiß,
aber sagen kann, wenn man es kann,
aber nur mit einem Gedicht.

Kulisse

Vor meinem Fenster wird
aus kahlen Stämmen, Ästen, Zweigen
wieder eine grüne Wand.
Man nennt es Frühling. Ich sage: 
Umbau zum nächsten Akt.

Montag, 13. April 2026

Unter Geiern

Lieber ein Paradiesvogel
auf schütterem Dach
als eine gut gebratene Gans
in den fettigen Fingern
von Friedhofsbetreibern.
Die Welt gehört den Gierigen.
den Rücksichtslosen, den Blendern,
bis man sie ihnen wegnimmt.
Schluss mit dem Plündern,
her mit Anstand und Weisheit!
Es ist Zeit für ein Ende 
der Zeiten. Lasst uns leben!

Freiwild

Niemandem untertan,
von allen gejagt,
zu Haus und Hof
gar nicht erst zugelassen,
von Versteck zu Versteck
mutwillig hastend,
immer im Recht und 
jeder überlebte Tag
wieder ein kleiner Sieg.

Donnerstag, 9. April 2026

Und übrigens

Es ist selbstverständlich zu spät.
Es war immer schon zu spät.
Aber früher ging’s nicht.
Und heute geht es erst recht nicht.
 
So gesehn war es vergebens,
es überhaupt zu versuchen.
Doch das musste ich wohl.
Wozu denn sonst leben?

Freitag, 3. April 2026

Orphisch

Es gäbe die Schönheit
und man könnte ihr singen,
während in Blut waten 
die Menschenfresser.
So ist das Leben.

Donnerstag, 2. April 2026

Opfergabe

Im Honig ersäuft
die Arbeitsbiene,
und ihre Todesangst
würzt ihrer Königin 
deren Schlummertrunk.
Du bist meine Heimat,
nichts und niemand sonst.
Wo du bist, gehöre ich hin, 
und wo wärst du nicht.

Dre sinnlose Lieder

     1 Nur in deiner Nähe könnte ich es ertragen, fern von dir zu sein.      2 Ohne dich halte ich es nicht aus, ohne dich zu sein. ...