Wenn ich gestorben sein werde, wird es hoffentlich heißen: Das hatte er nicht verdient. Sterben müssen wir alle, aber wir hätten ihn nicht so leben lassen dürfen, nicht so fern von uns allen. Wir hätten auf ihn hören sollen. Wir hätten ihn ernst nehmen sollen in seiner Kritik an uns und unseren Lebensweisen. Er wollte andere Verhältnisse, wollte Freiheit und Würde für jeden. Das hatte er nicht verdient, dass wir ihn ignorierten. Den Spott und die Erfolglosigkeit hielt er aus, aber er litt daran, dass wir ihm nicht zuhörten, dass wir ihn nicht verstanden und gar nicht verstehen wollten. Hätten wir ihm zugehört, hätten wir vieles besser verstehen können, vieles anders machen wollen und so vieles anders gemacht. Das hatte er nicht verdient. Aber es ist nicht zu spät. Jetzt endlich, da er tot ist, wollen wir auf ihn hören, wollen wir besser miteinander leben, gemäß dem, was er sagte, als er noch lebte. Er hat Vorschläge gemacht. Wir werden sie annehmen. So wird es hoffentlich heißen, wenn ich gestorben sein werde. Aber wahrscheinlich eher nicht.
Montag, 26. Oktober 2020
Die Einheimischen hatten mich im Verdacht, einer der Ihren zu sein. Ich meinerseits blieb heimlich ein Fremder und freute mich unheimlich über die ganz falsche Spur.
Samstag, 24. Oktober 2020
Mein Gedicht verspricht nicht mehr, als es halten kann.
Das ist mir zu wenig.
Ich fange von vorne an.
Freitag, 2. Oktober 2020
Mir wissen die Leute zu viel. Wenigstens reden sie so, als ob sie was wüssten. Was aber wissen sie wirklich? Und was können sie überhaupt wissen? Zu viel wird gewusst, meine ich, was keiner zu wissen braucht. Muss man denn, soll man, darf man alles das wissen? Ich weiß nur: Was gewusst zu werden wert wäre, bleibt ohnehin ein Geheimnis.