Donnerstag, 5. Juni 2025

Und siehe da

Keineswegs so großartig,
wie er immer gerne
hätte glauben wollen,
vielmehr erbärmlich,
so lächerlich erbärmlich,
wie er es immer schon
hatte befürchten müssen.

Mittwoch, 4. Juni 2025

Abgefertigt

Aber gewiss doch,
ich mache es mir gerne leicht,
ich nehme, was kommt,
wie es kommt, und mache
daran so wenig wie möglich,
nur gerade so viel,
dass ich sagen kann:
So, das war’s, das ist jetzt
mein Gedicht, mehr gibt’s nicht.

Altklug

Manchmal denke ich mir:
Jetzt rede ich fast schon
wie ein Erwachsener.
Dabei bin ich doch erst
neunundfünfzig. 

Montag, 2. Juni 2025

Überdrüssig

Was soll man dazu noch sagen?
Der schreibt und schreibt und schreibt
und kann sich nicht einbremsen 
und nennt es Gedichte.
Aber was soll's. Liest eh keiner.

Weiterleben

Du lebst dein Leben weiter
ohne mich. Sehr gut sogar.
Davon gehe ich aus.
Ich aber, ohne dich,
bin erheblich beschädigt.
Für den Rest meines Lebens
fehlt mir das Glück deiner Nähe
und der wahnsinnige Wunsch,
du könntest glücklich sein wollen
mit mir. Nein, der nicht. Der bleibt. 

Prosagedicht

Was das ist, wäre schon schwer zu sagen, wenn es denn existierte, so aber, wenn es das gar nicht gibt, wofür manches spricht, kann man auf sich beruhen lassen, was es wäre oder zu sein hätte. Ein Ding der Unmöglichkeit. Mehr nicht.

Vorderste Front

Heute war noch nie.
Und schon ist es wieder
ein bisschen später.
Die Zeit läuft davon.
Jedem. Immer. Aber
irgendwann nicht mehr. 

Rhetorische Regel

Rettet euch nicht in die Phrasen, die an Bahndämmen wuchern. Eure Rede sei schlicht und ergreifend und schutzlos wie ein Mauerblümchen.