Samstag, 31. Januar 2026

Randerscheinung

Ich bin es offensichtlich nicht wert,
von dir geliebt zu werden.
Oder auch nur gemocht.
Oder wenigstens wahrgenommen.
Du hast jedes Recht der Welt,
mich zu missachten.
Das bestreite ich gar nicht. 
Es ist nur leider bloß so,
dass ich mir anderes wünsche.

Auf die Folter gespannt II

Foltert mich nicht.
Ich verrate alles und jeden,
ich bezichtige mich bereitwillig
jeder erdenklichen Untat,
sage und unterschreibe alles,
was ihr mir vorgebt, 
wenn ihr mir nur sagt,
dass die Schmerzen aufhören
oder nicht kommen werden.

Auf die Folter gespannt I

Meinen Willen zu brechen,
wäre gewiss allzu leicht,
also lasst es gefälligst.
Denn ich bin zwar dickköpfig
aber wer weiß, was Schmerzen 
bei mir bewirken würden,
die ich durch Unterwerfung,
durch falsche Geständnisse
oder was immer ihr wollt
vermeiden können möchte.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Mein Glück

Wahrscheinlich kann man sagen,
dass ich durchaus Glück hatte.
Unter anderen Umständen,
anderswo, zu anderer Zeit,
hätte man mich zum Schweigen gebracht.
Oder umgebracht. Oder beides.
So aber lebe ich und rede.
Das beweist allerdings nur
meine Wirkungslosigkeit.
Die Feinde sind ja dieselben,
nur ihr Zugriff ist anders.
Wenn also dies mein Glück ist,
gänzlich unbedeutend zu sein,
warte ich noch auf ein Unglück.

Mittwoch, 28. Januar 2026

So ein Zirkus

Wie ein Löwenbändiger
ganz ohne Löwen
mühe ich mich ab.
Die Nummer ist alles,
was ich so draufhabe.
Es ist gar nicht schön
anzusehn. Keiner applaudiert.
Viele behaupten sogar,
ich hätte noch nie
einen Löwen gebändigt.
Und das Gegenteil kann ich
leider nicht beweisen.
Mangels Löwen.

Das wahre Gesicht

Ihr werdet getäuscht
von den Tatsachen.
Mein zufälliges Gesicht
zeigt euch nicht den,
der ich bin. Was ich sage,
nicht aber, was ihr seht, 
ist das Wesentliche.

Dienstag, 27. Januar 2026

Deutsche Schäferhunde

Hündische Schafsdeutsche.
Schäfische Deutschenhunde.
Deutsche Hundsschafe.
Schäfische Hundsdeutsche. 
Hündische deutsche Schäfer.

Menschheit

Ihr sagt Kultur,
ich sage Massaker
und Zerstörungswut.
Ihr sagt Zivilisation,
ich sage Ausbeutung
und Menschenverachtung.
Ihr sagt Fortschritt,
ich sage Unterdrückung
und Auslöschung.
Ihr sagt Zukunft,
ich sage Macht der Maschinen
und Herrschaft der Knechte.
Wir sprechen dabei durchaus
von derselben Sache.

Montag, 26. Januar 2026

Geheimnisverrat

Manche meiner Gedichte
verschweige ich mir lieber,
das ist meiner Seelenruhe
zuträglicher und zudem
meinen Überlebenswillen. 
Auch dies hier ist so ein Gedicht,
das ich nicht lesen sollte
und das ich noch besser
gar nicht erst schreibe.

Sonntag, 25. Januar 2026

An einen Kritiker

Und selbst wenn ich nicht kann,
was ich machen möchte,
ist es besser, es zu versuchen 
und dann daran zu scheitern, 
als einfach nichts zu tun.
Besser zu viele Einfälle
als keine Wünsche und Ziele,
besser Unfertiges liegen lassen,
als nie anzufangen,
besser ein bisschen Wahnsinn
als ein sinnloses Leben.

Gebet

Lieber Gott, lass nicht zu,
dass ich wehrlos bin
gegen deine Feinde,
die dich vernichten wollen,
indem sie mich vernichten.
Wenn ich sie schon nicht
zermalmen darf, dann bitte
lass mich ihnen hin und wieder
ihr freches Maul stopfen. 

Freitag, 23. Januar 2026

Zerquetschungen

Ihr habt mitgemacht. 
Also seid ihr mitschuldig.
Redet euch nicht heraus, 
Es stimmt, ihr wart unfrei.
Dafür konntet ihr nichts.
Man zwang euch Entscheidungen auf.
Ihr habt euch dafür entschieden, 
lieber mitzumachen, als draufzugehn
oder doch Schaden zu nehmen
an noch anderem als eurer Seele.
Lieber andere zerquetschen,
als selber zerquetscht zu werden.
Lieber zuschaun und schweigen,
wenn andere zerquetscht werden,
als selber zerquetscht zu werden.
Lieber rufen: Zerquetscht sie!,
als selber zerquetscht zu werden.
Eure Seelen nahmen Schaden,
eure Leben wurden beschädigt,
anderer Leben wurden beschädigt,
anderer Leben wurden zerstört.
Weil ihr mitgemacht habt, lebt ihr noch,
immerhin, bis auf weiteres.
Weil ihr mitgemacht habt und
weil ihr schuldig geworden seid,
könntet ihr sagen, wie es war.
Könntet zugeben, was ihr getan habt,
und was ihr unterlassen habt.
Ihr aber schweigt. Oder redet euch heraus.
Und tut euch selber leid,
ihr zerquetschten Zerquetscher.

Montag, 19. Januar 2026

Pein

Recht unangenehm ist es,
nasse Socken zu tragen.
Und fürchterlich, in Blut zu waten.
Das eine widerfährt manchem.
Das andere lassen wir zu.
Wehe uns.

Samstag, 17. Januar 2026

Schrei

Unsäglich peinlich bin ich,
weshalb jeder mich meidet,
lächerlich, jämmerlich, ein Narr,
der sich für jemanden hält,
aber ein Nichts ist, ein Niemand.

Tourette

So ist es schön. So kann es bleiben.
Zwischen uns ist alles gesagt. Außer,
du hättest noch was auf dem Herzen,
was ich nicht wissen soll. Wir teilen uns
ein Stückchen eines Weges, mehr nicht.
Das ist schon sehr viel. Lass es uns bitte
genießen. Oder siehst du das anders?

Strandgut vielleicht

Wenn auch mit vielen Muscheln Verspätung
umfassen die Strände de Krabben,
Der Möwen einsame Lieder
verkennen die Struktur der Welt
so wenig wie der Hafer die Grütze.
Und eine Mütze mag verwehen, wer will,
es wird doch kein Schuh daraus, nirgends.
Aber wenn das Bernsteinzimmer anbrandet,
ist die Welt noch in Ordnung, ihr Schweine.

Sonntag, 11. Januar 2026

Freitag, 9. Januar 2026

Speckstein und Erben

Wenn die Fürze quersitzen,
wandert die Fröhlichkeit ab
und die Sterne wissen nicht,
wem sie noch brennen sollen.
Konfuzius aber sagt,
still und starr ruhe der See.
Während das Tannenbäumchen
einsam verglüht in der Nacht
vor seinem Tode. Fleischlos
ernährt sich das Eichhörnchen,
und der Regenwurm bibbert,
bis er ins Trockendock kommt.
Wer sich für Grillzeug erwärmt,
hätte jetzt Gelegenheit
zu einem letzten Tango.
Die Asche fliegt bis zum Mond.

Abstieg

Vor mir liegt die Unendlichkeit,
wenn ich schlafe und träume.
Wenn ich aber wach bin,
bedrängt mich das Elend
dieser mickrigen Welt.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Utopie

Zu weit gegangen.
Wohin keiner wollte.
Einsam geblieben.
Wege gebahnt.
Ohne etwas erreicht zu haben.
Nicht vorangekommen,
nur bis ans Ende.

Montag, 5. Januar 2026

Meine Zeitgenossen

Ach, wisst ihr was, von mir aus
können alle zur Hölle fahren,
wenn es das ist, was sie wollen.
Wer bin ich denn, ihn zu sagen,
sie hätten Heilige zu sein
oder auch nur halbwegs anständig?

Maulwurfsgesänge I

Oder dass die Unendlichkeit ihrerseits weniger dazu beiträgt. Auch nachts nicht. Auch im Winter nicht. Wo nämlich hinter den Bäumen  der Wal...