Montag, 3. Juli 2017

Lehrgedicht

Du brauchst die Welt nicht
verändern zu wollen,
sie verändert sich
ohnedies immerfort.

Verändere dich.
Werde du, ein Einzelner,
ein besserer Mensch, so
veränderst du auch die Welt.

Sonntag, 15. Januar 2017

Schneetag

Unterm Schnee ist die Welt
so schön verborgen.
Alles ist weiß, aber
jede Schneeflocke ist anders.
Alle tanzen.

Dann zertrampeln die Leute,
überfahren das Schöne.
Grau und braun verleugnet
der Schneematsch den Schnee.
(Keiner tanzt.)
 

Statusmeldung

Ausnahmezustand ist immer.
Normalität ist der Terror, 
den jeder sich wünscht,
ausgenommen die Extremisten.

Alle machen die Regeln
für alle und halten sich
nicht daran. Das ist die Regel.

Wer einen Ausweg weiß,
soll nicht dazwischenrufen,
darf das Ende nicht verraten,
sonst ist Schluss mit lustig.

Nur nicht von Grund auf
und nicht bis zum Äußersten
denken und reden und handeln.

Die Mitte versteht keinen Spaß,
der sie nicht ablenkt. Spiel
um dein tägliches Brot
und halte die Fresse.


Donnerstag, 11. Februar 2016

Gesang bei Nacht

Der Mond sollte vorkommen,
der silbrige Gevatter,
und irgendwas sollte wohl
klingen, besser noch duften
wie eine Metapher. Und
Nebel wäre ganz gut, der wirkt
immer so schön poetisch.
Nacht ist es ja schon, fehlt noch
Wald oder Heide oder
irgend so ein Gewässer.
Am schwierigsten ist immer
der Schluss. Mir fällt keiner ein.

Nur so

Nur so, aber zu selten,
viel öfter ganz anders,
dann aber auch nicht so recht,
vielmehr eher so mehr
oder minder, was weiß denn ich.

Oder gar nicht erst, wie sagt man,
dieses da oder jenes
sich gefallen lassen,
es nehmen, wie’s ist, aber
davon wird es, weißt du,
auch nicht viel besser. Mal sehn.

Vielleicht nämlich, wer weiß,
könnte doch sein, wird es schon gehn.
Diesmal nicht, aber doch
irgendwann mal. Oder so.

Mittwoch, 16. September 2015

Selbst fremd sein

Wer, wenn nicht ich, ist hier fremd
und dort auch? Alle andern
stehn mir nicht zur Verfügung.

Fremdsein ist uns gemeinsam,
hier und anderswo. Nur ich
bin ich selbst, kein anderer.

In der Fremde ist Freiheit
zum Anderssein, nicht mehr nur
ich selbst sein müssen, zum Glück.

Samstag, 15. August 2015

S. O. S.

Die Ratten steuern das schlingernde Schiff.
Die zahlenden Gäste stellen sich blind.
Boote und Westen bringen andere mit.
Der rettende Hafen erweist sich als Eisberg.